Städtetipps und Empfehlungen Sardinien

Etwa 1200 km legten wir auf der zweitgrößten Insel des Mittelmeers zurück. Das entspricht rund 85 km pro Tag. Soviel zum Thema "chilliger Strand- und SUP-Urlaub"… Aber es hat sich natürlich dennoch gelohnt. Einige besuchte Ortschaften etwas mehr, andere dagegen ein kleines bisschen weniger. In diesem Artikel möchte ich euch alle vorstellen. Vielleicht hilft diese Übersicht euch bei der Planung eurer Reise. Die Sortierung entspricht keiner Wertung, sondern ist chronologisch nach unseren besuchen.

San Teodoro

San Teodoro Markt Sardinien
San Teodoro Markt

 

Unsere "Heimatstadt" auf der Insel. Das ehemalige Fischerdorf erlebt seit den 70er Jahren einen enormen Aufschwung. Die Umgebung ist traumhaft. Mit Brandinchi, Impostu, Isuledda und La Cinta sind vier der besten Strände Sardiniens in unmittelbarer Nähe. Mitte September können sogar Flamingos besichtigt werden. Die Schönheit der Natur spiegelt sich leider nur mäßig in der Ortschaft wieder, da viele Gebäude aus der Zeit des touristischen Aufschwungs stammen. Aber: Von Juni bis Ende September wird jeden Abend ab 20 Uhr die Innenstadt für den Kraftverkehr gesperrt. Ab diesen Zeitpunkt erweckt die Stadt erst richtig zum Leben Denn jeden Abend siedelt sich ein riesiger Markt aus Schmuck-, Souvenir- und Handwerksständen an. Ein Besuch dieses Marktes lohnt sich definitiv. Im September findet für eine ganze Woche das Sun & Bass Festival statt. Ein Drum and Bass Fest, mit Bühnen am Strand und in diversen Clubs der Stadt.

Hinweise & Tipps: Durch die all abendliche Sperrung, wird dort täglich fleißig abgeschleppt. Achtet darauf unbedingt bei der Parkplatzsuche. Das mit Abstand beste Eis der Stadt gibt’s bei BM&V. Trotz ungewöhnlichem Namen, findet ihr hier eine richtige Eismanufaktur. Und das beste: Schräg gegenüber ist eine Pizzeria, bei der die Pizzen nach Gewicht abgerechnet werden. Die Stücke dort sind mega lecker! 

BM&V San Teodoro
Das beste Eis des Urlaubs gab es bei BM&V in San Teodoro

Posada

Posada Sardinien Oldtown
Altstadt von Posada

Dieses kleine Städtchen haben wir eher zufällig bei einer Tour Richtung Süden entdeckt. Die Altstadt von Posada schmiegt sich an einen Berg und versprach schon von weiten enge, verwinkelte Gassen. Der mittelalterliche Charme bestätigte sich dann auch. Überraschenderweise verirrten sich hier nur ganz wenige Touristen hin. Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch dieser Stadt. Empfehlenswert ist der Aufstieg (gegen eine geringe Gebühr) zum Castello della Fava. Von dem alten Burgturm habt ihr eine sehr schicke Aussicht. Der Ausstieg auf die Plattform ist etwas abenteuerlich ;) Empfehlenswert ist auch ein Espresso in der Bar Antico Terrazzo. Wie der Name schon verrät, besitzt die Bar eine nette Dachterrasse.


La Caletta

Nur wenige Kilometer von Posada entfernt befindet sich La Caletta. Angepriesen durch einen Yachthafen ist man vor Ort dann doch enttäuscht. Irgendwie platzierte sich in meinem Kopf das Bild eines malerischen Fischerhafens, ähnlich wie in Rovinj (Kroatien). Die Realität zeigte dann einen modernen Sportboothafen, aus viel Beton. Am Stadtrand befindet sich ein sehenswerter Wachturm namens Torre di San Giovanni. Abgesehen vom Strand und dem Turm lohnt sich ein Besuch dieser Stadt nicht unbedingt.


Golfo Aranci

Auch diese Stadt war mehr oder weniger ein Zufallsfund. In der näheren Umgebung ist ein mega SUP-Spot. Da uns dort der Hunger packte, fuhren wir nach Golfo Aranci. Obwohl die Stadt eher durch den Fährhafen geprägt ist, gibt es eine schöne Hafenpromenade mit guten Restaurants. Falls es uns erneut nach Sardinien zieht, würden wir vermutlich in diesem Ort eine Unterkunft auswählen.


Porto Cervo

Dilbar Yacht Ship
Dilbar Yacht

Porto Cervo ist die kleine Hauptstadt der Costa Smeralda und zieht tausende Touristen an. Man muss dazu sagen, dass die Costa Smeralda ein Marketingprodukt ist und seit den 70er Jahren stetig weiterentwickelt wird. Keine Frage, die Natur ist traumhaft, das Meer paradiesisch. Wer nur auf 0,1% Geschichte steht, wird hier nichts ansprechendes finden. Porto Cervo ist eine künstlich angelegte Stadt, bestehend aus Edelboutiquen Restaurants und Jachthafen. Hier wohnt keiner, hier lebt keiner, hier wird nur konsumiert. Als entsprechend charakterlos empfanden wir die Stadt und kehrten ihr schnell den Rücken. Viele Touristen erhoffen sich vermutlich Stars & Sternchen zu erblicken, aber letztendlich schauen sich alle nur das an, was sie sich nicht leisten können. Architektonisch haben die Künstler das nicht schlecht gemacht, aber dennoch spricht mich diese Stadt nicht an. Zum staunen gab es dennoch etwas, denn im Hafen lag die Yacht "Dilbar" von Alisher Usmanov. 2016 die größte Yacht, heute nur noch Platz 6.


Nuoro

Nuoro Sardinien City
Nuoro

Spektakulär ist vor allem die Lage der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Von der Schnellstraße führen Serpentinen zu den knapp 40.000 Einwohnern großen Stadt. Man fragt sich bei der Anfahrt mehrfach, warum sich gerade hier so viele Leute angesiedelt haben. Kulturell hat die Stadt einiges zu bieten. Berühmte Museen und eine prunkvolle Kathedrale sind hier beheimatet. Oftmals wird hier vom unverfälschten Sardinien gesprochen. Aber so richtig sprang der Funke nicht auf uns über. Die Gassen waren schmutzig und die angepriesenen Schönheiten blieben uns irgendwie verborgen. Rechts und links der Corso Giuseppe Garibaldi kann man ganz gut flanieren und hat ein paar gute Shops. Da Orgosolo nicht weit entfernt ist, sollte man auf dem Weg dorthin Nuoro besichtigen, mit weniger Erwartung entdeckt man vielleicht doch was schickes. Und die Lage ist wie gesagt grandios!

 

Hinweise & Tipps: Unter dem Piazza Vittorio Emanuele ist ein Parkhaus, in welchem ihr relativ zentral parken könnt. Eisenbahnromantiker können mit der Schmalspur Nebenbahn Macomer-Nuoro anreisen.


Orgosolo

Orgosolo Banditen
Alte Banditen aus Orgosolo?

Alles andere als ein Geheimtipp, dennoch haben wir nur eine Handvoll Touristen zusehen bekommen. Der Kult um diese Kleinstadt beruft sich auf das traditionelle Banditentum der sardischen Bergbevölkerung. Diese Kultur geht auf den heftigen Widerstand gegen Eroberer, vor allem  in den Bergen der Insel zurück. Viele Kriminelle zogen sich in die Berge vor der verhassten Carabinieri zurück und erhielten Unterstützung durch die Dorfbevölkerung, da für Sie die Festlanditaliener ebenfalls Eroberer waren. Orgosolo wurde zum "Banditennest" erklärt. Den letzten großen Widerstand leisteten die Einwohner 1969 gegen die NATO.  In der näheren Umgebung sollte ein Truppenübungsplatz entstehen, doch die Bevölkerung blockierte Straßen und besetzte Plätze. Sie konnten den Rückzug der Truppen erreichen. Seit dieser Zeit malen anarchischen Gruppen Wandbilder / "Murales" an die Häuser von Orgosolo. Gefährlich ist der Ort heute natürlich nicht mehr. Naja vielleicht etwas, da die Einheimischen wie wild durch die engen Gassen rasen. Aber sehenswert ist der Ort dennoch, wegen den "Murales", aber auch wegen der Lage hoch oben in den Bergen. Wer schon oft in Italien war, merkt hier besonders deutlich, dass die ursprünglichen Sarden anders sind. Das lässt sich schwer beschreiben, daher besucht unbedingt diese Region!

Tipp: Tagsüber können gegen ein geringes Entgelt Audioguides ausgeliehen werden. Diese erklären dann die verschiedenen Wandbilder. Weiterhin ist die Ortsdurchfahrt zwischen 12-17 Uhr gesperrt, da hier die meisten Touristen im Ort sind.


Olbia

Olbia ist das wirtschaftliche Zentrum im Nordosten von Sardinien. Hier befindet sich ein größerer Fährhafen, der Flughafen und Gewerbegebiete. Wer keine weite Anreise hat, kann ruhig der Innenstadt von Olbia ein Besuch abstatten. Vom anderen Ende der Insel würde ich nicht zwingend anreisen. Mit der Corso Umberto gibt es eine nette Flanier- und Einkaufsmeile, mit einigen schönen Gassen links und rechts davon. Am Yachthafen, direkt gegenüber der Altstadt kann kostenlos geparkt werden. Außerhalb der Innenstadt sind mehrere Shoppingcenter, Decathlon und größere Fastfood Restaurants.


Alghero

Alghero oldtown Altstadt
Alghero Altstadt

 

Alghero ist das, was wir im Osten der Insel vermisst haben. Eine wunderschöne Altstadt, dutzende Lädchen und noch viel mehr Restaurants in engen Gassen, welche von dicken Festungsmauern umgeben ist. Die Stadt im Westen der Insel war lange unter spanischen Einfluss, was dazu führte das Informationsschilder noch immer auf Katalanisch beschrieben werden. Das rot-gelbe Streifenmuster Kataloniens ist auch im Stadtwappen verankert. In der Umgebung gibt’s weiterhin traumhafte Strände und die berühmte Stalaktitengrotte "Grotta di Nettuno" am Capo Caccia. Die Stadt und die Umgebung darf meiner Meinung bei keinem Sardinien besuch fehlen!

Tipp: Die Reservato Beach Bar bietet eine Terrasse nur knapp über dem Wasser und direkt an der Festungsmauer. Wirklich sehr schick!


La Pelosa

Willkommen am Nordwestlichsten Zipfel der Insel. La Pelosa ist prinzipiell ein nicht sehenswertes Örtchen, welches fast ausschließlich aus Hotelanlagen besteht. ABER: Der gleichnamige Strand ist einer der schönsten der Insel. Natürlich ist das kein Geheimtipp. Wir waren am 18. September dort, da war es gut besucht aber nicht überfüllt. Ich kann nur empfehlen, dass man frühzeitig dort aufschlägt und an einen Bezahlstrand geht. Das kostet natürlich, aber bietet etwas Privatsphäre.


La Maddalena / Palau

 

Grüß Gott vom nördlichsten Punkt Sardiniens. Nur 20 km südlich von Korsika befindet sich das Archipel La Maddalena, bestehend aus einem Dutzend größeren und kleineren Inseln. Um dort hinzukommen gibt es grundsätzlich zwei Wege: Mit der Fähre von Palau (Überfahrt etwa 25 min und 45 € mit Auto) oder per Ausflugsschiff, was meist eine Tagestour bedeutet. Wir sind mit dem Auto auf die Hauptinsel übergesetzt und diese auf einer Panoramastrecke umrundet. Über einen Damm kommt man auf eine weitere Insel namens Caprera. Beide Inseln sind sehr schick! Caprera ist vor allem bei Wanderern und Fahrradfahrern (MTB) beliebt. Achtet nur darauf, euer Auto ordentlich abzustellen, da die Polizei gerne Tickets verteilt. La Maddalena ist gleichzeitig auch eine Stadt auf der Hauptinsel, welche zwar sehr durch touristische Läden und zahlreiche Restaurants geprägt ist, aber dennoch sehenswert ist.

Tipp: Auf Caprera gibt es eine Festung aus dem ersten Weltkrieg. Diese beinhaltet auch eine große Ausstellung über Giuseppe Garibaldi, einer der bedeutendsten Figuren der italienischen Einheitsbewegung. Von dieser Festung hat man einen wunderbaren Ausblick über das Archipel und bis nach Korsika.


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