Leseempfehlungen

Thees Uhlmann - Die Toten Hosen

Thees Uhlmann Buch Die Toten Hosen

Vor einiger Zeit habe ich eine Facebookveranstaltung wahrgenommen. Thees Uhlmann und die Toten Hosen, klingt ja erstmal super. Beim genaueren hinsehen habe ich gemerkt, dass es sich um eine Lesung handelt, welche in Nullkommanix ausverkauft war. Seitdem sind ein paar Monate vergangen und so schnell wie diese Facebookmeldung aufpoppte war sie in meinen Gedanken auch schon wieder verschwunden.

Alle Jahre wieder jährt sich mein Geburtstag. So auch bereits dieses Jahr und als ob ich mit der Ton Steine Scherben “Keine Macht für Niemand“ Schallplatte nicht schon ein ausreichend geniales Geschenk von meinen Freunden Felix und Katja erhalten habe, so legten sie noch dieses Buch drauf.

Was sie nicht wussten, dass sie neben wunderschönen Musikabenden, mir ein krasses Flashback meiner Jugend entzauberte. Denn genau das löste dieses Buch aus. Teilweise dachte ich, dass Thees Uhlmann und ich die gleiche Jugend erlebt haben, nur das er 14 Jahre früher geboren ist.

Aber von vorn: Das Buch von Thees reiht sich in die Buchserie „KiWi Musikbibliothek“ ein. Das Konzept der Serie ist, dass Musiker über ihre Lieblingsbands schreiben. Locker flockig, über ihre Erlebnisse und Erinnerungen mit der Band / dem Künstler. Andere Bücher sind z.B.: Lady Bitch Ray über Madonna, Markus Kavka über Depeche Mode oder Frank Goosen über die Beatles.

Ich muss zugeben, dass ich mich vorab nicht über das Buch belesen habe und das Konzept nicht kannte. Somit war es ein Sprung ins kalte Wasser und man war mittendrin in der Vorbereitung zu Uhlmanns ersten Konzert von den Toten Hosen. Übrigens 1988, mein Geburtsjahr… also parallelen gibt’s definitiv! Das Büchlein ist flott geschrieben, man könnte meinen man sitzt mit Thees am Tisch bei Kippe und ein Bierchen und er erzählt eine Geschichte. Also wie seine Musik selbst, grandios!

Im weiteren Verlauf geht’s um Sauren Apfel, Booklets und mein liebstes Livealbum „Bis zum bitteren Ende“. Selbst beim schreiben dieser Worte habe ich sofort dieses Intro wieder im Ohr. Ich denke das sich in dem Buch viele wiederfinden werden, die irgendwo (behutsam) in der Provinz aufgewachsen sind und langsam, aber sicher Punk-Musik für sich entdeckt haben.

 

Das Buch hat nur 177 Seiten, es ist daher flott durchgelesen. Wer zum ernsten Krimi oder zum langweiligen Prüfungskram eine Abwechslung braucht, kann gerne zu diesem Buch greifen! Als Fan der Toten Hosen erfährt man auch ein paar Background- und Backstagegeschichten.

Paul Schäfer. Erfurter Kommunist, ermordet im Stalinismus.

Paul Schäfer ist vielen Erfurtern ein Begriff. Einmal gab es in der Nähe des Steigerwaldstadions auf dem Lingelgelände die VEB Schuhfabrik "Paul Schäfer" und noch heute trägt eine stark befahrene Straße im Erfurter Norden seinen Namen. Doch wie so oft wissen die meisten nicht, was oder wer hinter den Straßennamen verbirgt. Ich muss zugeben, bis vor kurzem wusste ich auch nicht genau wer Paul Schäfer war.

 

Eher zufällig bemerkte ich im Dezember 2019 einen Facebookbeitrag einer Freundin, die für das Buch "Paul Schäfer. Erfurter Kommunist, ermordet im Stalinismus" geworben hatte. Der Titel und die Aufmachung dieses Werkes haben mich interessiert und nach einer kurzen Recherche bemerkte ich, dass ich einen der Autoren persönlich kenne. Es handelt sich um den Urenkel von Paul Schäfer. Spätestens da stand fest, dass ich dieses Buch lesen muss. Buch ist vielleicht etwas übertrieben, es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit, welche als Broschüre veröffentlicht wurde.

 

Die Publikation befasst sich mit dem Leben des Erfurter Schuharbeiters, in der spannenden und politisch aufgeladenen Zeit der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. So handelt der erste Teil der Arbeit vom gewerkschaftlichen Kampf in Erfurt, das Leben der Arbeiter und den Aufstieg Schäfers zum kommunistischen Funktionär. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten muss Schäfer fliehen, über Frankreich erreichte er auf Umwegen die Sowjetunion, wo er sich in Sicherheit glaubte.

 

Doch sein Exil war eine Einbahnstraße. Schäfer überlebte nicht den Großen Terror und wurde vom NKWD hingerichtet, als vermeintlicher faschistischer Spion.

In der DDR entstand nach dem zweiten Weltkrieg ein Opfer-Mythos um Paul Schäfer. Viele Jahre hat sich hartnäckig die Geschichte gehalten, dass Schäfer im spanischen Bürgerkrieg beim Kampf gegen Franco gefallen sei.

 

Das Werk von Annegret Schüler, Stefan Weise und Thomas Schäfer arbeitet mit wissenschaftlichen Methoden und Quellen das Leben von Paul Schäfer auf. Das Leben von Schäfer ist von Kampf, Solidarität, Flucht und Leid geprägt, allein seine Biographie ist hochspannend. Zusammen mit dem Leben der Arbeiter und der Entwicklung von Gewerkschaften im damaligen Erfurt ist es ein rundum interessantes Werk, untersetzt mit Quellen welche keine Zweifel aufkommen lassen.

 

 

Veröffentlicht wurde die Publikation von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Sie erschien am 01.12.2019 und kann bei der Landeszentrale kostenfrei bestellt werden. Bitte beachten: Für Menschen in Thüringen wird eine Gebühr für bis zu drei Büchern in Höhe von 4 € erhoben. Für 4-7 Bücher wird eine Gebühr  von 6 € erhoben. Außerhalb Thüringens werden 5 € pro Buch erhoben.

Zur Bestellung / Weiterführende Informationen

Paul Schäfer Moskau
Mit Paul Schäfer in Moskau

Im Moskauer Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges wird mit einer ewigen Flamme allen Opfern des Krieges erinnert. Nicht aber denen, welche durch falsche Behauptungen und unter Paranoia zum Tode verurteilt wurden. 


Die Grenze - Eine Reise rund um Russland von Erika Fatland

Erika Fatland Die Grenze Buch Flugzeug
Auch in Russland habe ich das Buch über Russland gelesen :)

vom 07.01.2020

Eigentlich war ich bei Peterknecht, mein liebstes Erfurter Buchgeschäft, auf der Suche nach einen Reiseführer über Litauen. Da lächelte mich das bunte, leicht sowjetisch angehauchte, Cover von diesem Buch an. Eine Reise um Russland... Das klingt vielversprechend und irgendwie verrückt.

 

Die Umrundung des größten Landes der Welt kann kein klassischer Reisebericht sein. Darauf legt es die Journalistin Erika Fatland aus Norwegen auch gar nicht an. Vielmehr schafft sie mit ihrem Buch, nach über drei jähriger Recherchezeit, ein Nachschlagewerk über die angrenzenden Länder, Teilrepubliken und Regionen. Die politischen sowie gesellschaftlichen Hintergrundinformationen sind so detailliert, aber niemals langatmig niedergeschrieben, dass man vor dieser akribischen Arbeit und den Mut diese Regionen zu besuchen, nur den Hut ziehen kann. In 14 Staaten und über 20.000 Kilometern berichtet sie von abenteuerlichen Taxifahrten, dubiosen Reiseleitern, aber auch von persönlichen Schicksalen. Sie vergisst nie die Menschen die dort leben und erzählt ihre Geschichten. Egal ob in Metropolen wie Kiew oder in der mongolischen Steppe. Neben der Porträtierung der Menschen, schafft sie auch ein Bild  Russlands aus Sicht der zahlreichen Nachbarn – welches wirklich äußerst interessant ist! Die Idee Russland zu umrunden ist verrückt, aber es so zu machen wie Erika Fatland, ist noch verrückter. Sie schließt sich zwar Reisegruppen hier und da an, aber im Großen und Ganzen reist sie allein und kann sich dadurch viel Zeit nehmen, vorausgesetzt das jeweilige Visum lässt es zu. Mit dem Mix aus viel geschichtlichen Hintergrund und unterhaltsamen Reisebericht trifft sie genau meinen Nerv. Auf Grund genauer Ortsbeschreibungen habe ich auch nicht selten das Handy gezückt, um die Route bei Google Maps verfolgen zu können. Somit wurde das Buch schon fast multimedial. Daher von mir eine klare Leseempfehlung!

Im Übrigen ist das sowjetisch angehauchte Artwork kein Zufall. Denn Fatland schrieb vor diesem Buch schon den Spiegel Bestseller Sowjetistan - Eine Reise durch die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. Dieses wird sich auch nicht mehr lange vor mir verstecken können.

 

Erschienen im Suhrkamp Verlag am 09. April 2019. 623 Seiten, mit ein paar wenigen Farbfotos und Karten für 20 €. >> Bestellung beim Verlag <<


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