14-tägige Irland Rundreise

Mit dem Auto einmal rund um die grüne Insel

Vorab: Irland ist ein Paradies für Hobbyfotographen! Damit dieser Reisebericht nicht zu sehr überladen ist, gibt es eine extra Fotopage. (Der Link folgt unten nochmal, also könnt ihr den Text erstmal in Ruhe zu Ende lesen :)

ireland hills
In der Nähe der Kerry Cliffs (Aillte Chiarraí), die Kerrygold Belegschaft.

Das Planen einer Reise ist eine große Leidenschaft von mir. Doch diesmal war es anders. Meine Mitstreiter fragten ab und zu nach dem Planungsstand und ich musste mich bei dieser Reise doch ab und zu in einige Noterklärungen flüchten. "Ich belese mich noch." war einer der Klassiker in dieser Zeit. Aber warum war es diesmal so schwierig?

 

Als erstes waren wir zu viert. Vier Personen – vier Interessen, aber nur ein Auto. Dazu habe ich bis auf Dublin noch nichts von Irland gesehen. Fragt man andere was sie von Irland erwarten, dann heißt es bei 99% der Antworten immer: grüne Insel und Pubs. Okay… Als Perfektionist in der Planung will man die schönsten grünen Wiesen und die urigsten Pubs. Aber wo zur Hölle findet man die? Nur wenige Eckpunkte standen am Anfang der Planung fest: das Datum und das wir gerne auch Nordirland einbeziehen wollen.

Nach dem ich einige Reiseberichte und Reiseführer durchgelesen hatte, war ich mit der Routenplanung immer noch nicht richtig vorwärts gekommen. Konkret muss ich dazu sagen: Natürlich finde ich easy eine Route rund um Irland – aber wie viel Tage bleibt man an welchen Orten? Ein zu häufiges Ein- und Auschecken kam auch nicht in Frage.

 

Durch Zufall habe ich die Seite "Ireland before you die" gefunden. Der Autor Stevie Haughey verkauft dort für schmale sechs Pfund (7 €) sein E-Book mit dem Titel: "The irish bucket list – 101 places to see in Ireland before you die". Dieses Buch habe ich mir zur Hand genommen, eine Irlandkarte ausgedruckt und die persönlichen Points-of-Interest dort markiert. Daraus haben sich einige Hot-Spots aufgezeigt, einmal rund um Killarney im Süd-Westen, sowie entlang der Causeway Road in Nordirland. Als Musikaffiner Mensch war Galway noch ein wichtiger Punkt, sowie Dublin als Großstadt zur Abwechslung. Zum Abschluss der Tour sollte es nochmal gemütlich werden, dafür wurde der Süden auserkoren.

Route, Mietwagen und Linksverkehr

huyndai beer guinness
Mut antrinken für den Linksverkehr

Die Flexibilität hat in Irland ihren Preis. Ein kleiner Mietwagen (z.B. Opel Corsa) kostet ca. 560 € für 14 Tage. Wir hatten eine Ford Focus Kombi Klasse gebucht und hatten Ende Mai Glück, denn wir haben nur 650 € bezahlt. Vor Ort haben wir gegen einen Aufpreis von 35 € einen größeren Kombi erhalten, einen Hyundai i30. Der Flughafen Killarney (Kerry Airport) ist zwar idyllisch gelegen, aber daraus entwickelt sich ein nur begrenztes Angebot an Mietwagenfirmen. Nahezu jeder aus dem Flugzeug ist aber auf Grund der Abgeschiedenheit auf ein Fahrzeug angewiesen. Es empfiehlt sich, die für den Mietwagen verantwortliche Person schnellstmöglich zur Mietstation zu schicken. Nach uns war eine riesige Schlange und Wartezeiten von 2-3h dürften nicht unrealistisch sein.

 

Über Check24 konnten wir wie geschrieben ein gutes Angebot erzielen. Das Problem dort ist aber, dass man sich im Schadensfall das Geld von Check24 zurückholt und somit eine höhere Kaution beim Vermieter vor Ort fällig wird. Bei Europcar Irland waren das mal satte 1800 Euro! Damit war meine Kreditkarte erstmal gut ausgelastet und das Tageslimit natürlich erreicht. Wer keine anderen Zahlungsmittel dabei hat, sieht da echt alt aus. Das Problem mit der Kaution über Check24 war mir vorab bekannt, da ich regelmäßig dort buche. Aber der Betrag von 1800 € tat schon weh.

 

Ich muss zugeben, ich hatte riesen Respekt vor dem Linksverkehr. Ein paar Tage vor der Reise habe ich mir noch ein paar Videos auf YouTube angeschaut, um mich vorab auf ein paar Situationen einzustellen. Dazu zählen zum Beispiel Kreisverkehre. Letztendlich war es aber halb so wild. Die ersten zwei Tage konnte ich relativ schlecht einschätzen, wie nah ich am linken Fahrbahnrand fahre, das war eigentlich das größte Problem. Die große Angst vor den vielen Kreisverkehren war auch schnell verflogen, da es gar nicht möglich ist dort falsch hineinzufahren. Spätestens an Tag drei und einer Ring of Kerry Umfahrung war es für mich das normalste der Welt.

Station 1 - Killarney und der Ring of Kerry

Dingle Bootstour
Wahlbeobachtungstour rund rum die Dingle Halbinsel

Die Anreise auf die grüne Insel erfolgte per irischer Billigairline von Berlin Schönefeld zum Kerry Airport. Dieser Flughafen ist nur 15 km von Killarney entfernt. Die Stadt gilt als idealer Ausgangspunkt für das County Kerry, denn hier befinden sich einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel, wie z.B. der Ring of Kerry, der Killarney National Park, die Skellig Islands oder die Dingle Halbinsel.

 

Als erste Unterkunft stand uns das "Wild Atlantic Apartment Killarney" zur Verfügung. Eine sehr großzügige Wohnung mit Balkon im östlichen Teil der Kleinstadt. Für drei Nächte absolut zu empfehlen.

 

Am Abend der Ankunft stand nur noch Essen und Trinken auf dem Plan. Wer sofort irische Stimmung und Lebensfreude aufsaugen will, muss im John M Reidy einkehren. Von außen sieht es aus wie eine kleine Bäckerei, aber das Pub ist riesig. Unzählige Räume, welche zu einem Pub umfunktioniert wurden reihen sich einander an. Weiterhin gab es einen großen Hof, in welchem Livemusik gespielt wurde. Sonntagabend um 23 Uhr war hier unglaublich viel los, sehr empfehlenswert!

 

Ring of Kerry

 

Für den ersten kompletten Tag auf der Insel haben wir uns für die bekannteste Sehenswürdigkeit entschieden, den Ring of Kerry. Knapp 180 km lang ist die Küstenstraße. Es empfiehlt sich, diese im Uhrzeigersinn zu fahren, denn Reisebusse dürfen diese nur entgegengesetzt fahren. Damit erspart man sich unnötig viele Überholmanöver (welche auf Grund der schmalen Straßen sowieso kaum möglich sind). Von Killarney aus kommend erscheint das erste Highlight bereits kurz nach Fahrtantritt, denn der Killarney National Park muss auf dem Weg zum offiziellen Startpunkt (Kenmare) durchquert werden. Traumhafte Aussichten reihen sich nach einander an. Ich würde hier auf keine speziellen eingehen wollen, da diese fast immer ausgeschildert sind und wirklich zahlreich vorhanden sind. Manchmal lässt es die Verkehrslage nicht zu, an einem speziellen Punkt anzuhalten, da die wenigen Parkplätze bereits belegt sind.

 

Als ersten Ort besichtigten wir Kenmare. Die Kleinstadt ist touristisch geprägt und hat 2-3 schöne Straßen mit vielen bunten Häusern. Da es noch früh am Tage war, blieben wir nicht zu lange in dem Nestchen, wie es übersetzt heißt.

 

Im Großen und Ganzen fährt man von Dorf zu Dorf und erhofft sich nach jeder Kurve einen tollen Ausblick über die irische Küste. Diese Ausblicke bekommt man definitiv häufig geboten. Als empfehlenswert hat sich eine Parkbucht zwischen Cnocan Nua und Beenarourke hervorgetan. Aber ihr werdet diese finden und könnt wann immer ihr wollt anhalten. Aber irgendwie war der Ruf, der dem Ring of Kerry vorauseilte größer als er am Ende gerecht wurde. Fährt man auf der offiziellen Straße ist man häufig eingepfercht von großen Hecken und sieht nicht viel. Es lohnt sich immer mal rechts und links abzufahren.

 

Zwingend notwendig ist ein Abstecher am westlichen Ende des Rings. Bei Kenneigh müsst ihr links abbiegen und der R567, sowie R566 folgen. Ihr befindet euch damit auf dem Skellig Ring, welcher richtig schön ist. Sehr empfehlenswert ist ein Stopp bei den Kerry Cliffs, kurz vor dem Örtchen Doora Cross. Weiter sind wir über Portmagee auf Valentina Island gefahren um dann am anderen Ende der Insel per Fährüberfahrt zurück auf den offiziellen Ring of Kerry zu kommen. Im weiteren Verlauf war der riesige Rossbeigh Strand ein Hingucker. Das Foto meiner Freundin am Strand ist ohne jegliche Filter oder spezieller Kameramodi entstanden. Ich liebe dieses Bild! Nur Sekunden später rauschte eine gigantische Regenwolke über uns weg, sowas hatten wir auch noch nicht erlebt.

Rossbeigh Beach
Rossbeigh Beach

Station 2 - Dingle Halbinsel

Great Blasket Island
Great Blasket Island

Leider brachte das Wetter unsere Planung durcheinander. Dingle wollten wir erst später besuchen und von dort dann eine Walbeobachtungstour starten. Die Mitarbeiter von Eco Marine Tours fragten uns, ob wir schon früher kommen können, da sie auf Grund des Wetters wohl bald ein paar Tage nicht aufs Meer können. So fuhren wir bereits am zweiten Tag auf die Dingle Halbinsel, um an der Tour teilzunehmen. Auch wenn es ein erhöhter Fahrtaufwand war, war es die richtige Entscheidung, denn die Eco Marine Tour war genial. Auf einem kleinen Schiff konnten wir einige Zwergwale (Minkewal) entdecken, viele Seehunde und wunderschöne Natur. Vor allem die Great Basket Island bot herrliche Fotomotive. Wir buchten die dreistündige Tour für 40 € pro Person und können diese bei einer gewissen Seetauglichkeit uneingeschränkt empfehlen. Nach der Bootstour erkundeten wir noch die nähere Umgebung von Killarney. Sehr sehenswert ist Ross Castle, der Muckross Garden mit dem kleinen Schloss und der Torc Wasserfall.

Coumeenoole Beach
Nähe Coumeenoole Beach

Heute stand der erste Ortswechsel an. Der Weg nach Dingle war ja nun bereits bestens bekannt. Da die Check-In Zeit in unsere Unterkunft relativ spät war, besichtigten wir eine der Topattraktionen der Dingle Halbinsel: der Slea Head Drive. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Küstenpanoramastraße. Um einiges kürzer als der Ring of Kerry, aber dafür um ein vielfaches schöner. Müsste ich mich für einen entscheiden, dann der Slea Head Drive! Dieser Rundkurs beginnt in Dingle, an der örtlichen Distillery. Der Whiskey aus Dingle ist nebenbei gesagt sehr zu empfehlen!

 

Den ersten Stopp legten wir bereits wenige Kilometer weiter am riesigen Sandstrand von Caenn Trá ein. Lecker Kaffee und Kuchen gibt’s in westliche Richtung beim Stonehouse Restaurant, einen uralten Steinhaus. Das danebenliegende Freiluft-Farmer-Museum würde ich nur bei sehr viel verfügbarer Zeit weiterempfehlen. Geschichtlich gibt’s es kaum was zu entdecken, aber halt ein paar Tiere zu sehen.

 

Dafür weckte dieses Museum aber das große Interesse meiner Freundin an einem Lamm. Nicht zum Essen, aber dafür zum Streicheln. Passenderweise bieten einige der Farmer diesen Service an. "Hold a baby lamb" Schilder finden sich immer wieder entlang der Straße. Gegen eine geringe Spende durften wir die kleinen füttern. Klingt kitschig, aber irgendwie hat es dennoch sehr viel Spaß gemacht. Und kommt den Farmern auch finanziell zu Gute, da die Einnahmemöglichkeiten doch relativ begrenzt sind.

 

Ein weiteres Highlight ist der Dunmore Head und der Coumeenoole Strand. Nicht nur für Star-Wars Fans, denn die Landschaft hier war mehrfach Drehkulisse der Reihe. Auch Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Weiterhin verlaufen sich Ende Mai die Touristen und man war mehr oder weniger öfters alleine auf den Trampelpfaden unterwegs. Im Hochsommer soll es hier dann doch sehr überfüllt sein und Hobbyfotografen werden ihre Probleme haben.

 

Nicht weit entfernt befindet sich eines der berühmtesten irischen (Instagram-) Fotomotive. Der Dunquin Harbour. Das berühmte Fotomotiv stellt eine Anlegestelle dar. Diese wurde früher genutzt, um Schafe auf die grüne Blasket Island zu fahren. Heute sind Schafe eher seltenere Fahrgäste, dafür vermehrt Touristen. Um den berühmten Blickwinkel zu finden, müsst ihr den Slea Head Drive kurz nach dem Dunquin Friedhof nach links verlassen. Kurz danach befinden sich einige Parkplätze und der Pier ist auch ausgeschildert. Ihr dürft nur nicht den Hauptweg folgen, sondern müsst euch immer oberhalb, auf der Böschung, bewegen. Neben dem Fotomotiv gibt allerdings in Dunquin nichts zu bestaunen.

 

Im weiteren Verlauf habt ihr noch die Möglichkeit an unzähligen Parkbuchten anzuhalten. Wir kürzten dann aber etwas ab, da das Wetter nicht so mitspielte und wir noch etwas Dingle besichtigen wollten. Als Unterkunft diente uns das Nellies Fred. Eine richtig coole Unterkunft mit Pub und Livemusik am Abend. Im Hof befindet sich eine alte, kleine, aber liebevoll umgebaute Lagerhalle, in welcher auch regelmäßig Indie-Bands spielen. Sehr schön Alternativ eingerichtet. Dingle selber mausert sich mehr und mehr zum Touristenort. Dafür sorgt vor allem Fungie, ein recht zutraulicher Delfin welcher seit den 80er Jahren in der Bucht von Dingle lebt. Natürlich gibt es auch Bootstouren um diesen zu sehen. Ansonsten macht Dingle mit seinen unzähligen farbigen Häusern einen gemütlichen Eindruck. Die Küche ist sehr vielfältig, aber leider war es gar nicht so einfach einen Platz zu bekommen. Wer z.B. im mehrfach ausgezeichneten Out oft he Blue essen möchte, sollte unbedingt reservieren. Wanderfreunde, die die Abgeschiedenheit mögen, würde ich noch den Connor Pass, nordöstlich von Dingle, empfehlen.

Coumeenoole Beach
Nähe Coumeenoole Beach

Station 3 - Galway und die Cliffs of Moher

Galway
Galway

Am nächsten Morgen ging die Reise weiter. Das Tagesziel war Galway, etwa 300 km von Dingle entfernt. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir noch Irlands berühmteste Klippen: Cliffs of Moher. Von Dingle gibt es zwei Möglichkeiten um nach Galway zu kommen. Die schnellere ist die Route über Limerick, wir bauten aber etwas Abwechslung ein und nutzten die Fähre zwischen Talbert und Killimer.

  

Schon sehr frühzeitig werden die Cliffs of Moher ausgeschildert. Diese sind extrem touristisch erschlossen. Prinzipiell ist der Eintritt zu den Klippen frei. Der Preis wird über die Parkgebühren geregelt, welche vor 11 Uhr und nach 16 Uhr günstiger sind. Es empfiehlt sich vor allem im Sommer diese Zeiten zu nutzen und vorab online zu bestellen, da die Möglichkeit auf Grund von Überfüllung abgewiesen zu werden nicht gering ist. Wanderer und Radfahrer können die Klippen kostenlos besichtigen. Vom Tourismuszentrum erhält man nur einen kleinen Einblick, denn die Steilküste ist ca. 8 km lang. Falls ich dort nochmal hinkomme, würde ich eine Wanderung draus machen. Aber dennoch lohnt sich der Besuch, auch wenn wirklich viele Touristen vor Ort sind. Achja, haltet eure Sachen fest. Der Wind pfeift dort ordentlich. Der Hut meiner Mutter dürfte noch immer auf dem Atlantik treiben…

 

Gegen 19 Uhr erreichten wir dann endlich Galway. Der Besuch der Universitätsstadt geht auf mein Konto, gilt diese doch als kulturelle Hauptstadt der grünen Insel. Tatsächlich fanden wir auch ein paar mehr Straßenmusiker als in anderen Städten vor. Die Pubs waren voll und überall erschallte Livemusik. Aber irgendwie wollte der Drops nicht flutschen. Architektonisch macht die Stadt leider nicht so viel her. Rund um die High und Quay Street finden sich viele coole Pubs und dort ist auch gut was los. Vielleicht lag es auch am Wetter. Wie schon erwähnt, war es selbst für irische Verhältnisse viel zu regnerisch, das hat schon was zu bedeuten. Trockenes Wetter und ein paar Sonnenstrahlen durften wir beim Fußballspiel von Galway United erfahren (dessen Besuch ebenfalls auf mein Konto geht). Den Bericht dazu gibt es >>>[HIER]<<<.

 

Untergekommen waren wir im einzigen Hotel unserer Rundreise. Das Connacht Hotel ist ein großes Kongresshotel, sogar mit kostenlosem Schwimmbad. Trotz Randlage ist es per ÖPNV ganz gut zu erreichen. Neben ÖPNV lohnte sich für uns (vier Personen) oftmals ein Taxi, denn die meisten Fahrten wurden bei 8 € gekappt.

 

Mein Fazit zu Galway ist schwierig. Für viele ist es eine der besten Städte Irlands. Auch wir hatten einen tollen Abend mit Tanz und reichlich Bier in einem der Pubs. Aber dieses hätte auch in Killarney oder Sligo sein können. Vielleicht war auch die Stimmung jetzt etwas down, da es wieder nur regnete und regnete. Selbst die Iren, welche uns immer fröhlich entgegneten, waren der Meinung, dass so viel Regen im Juni nicht mehr normal ist.

Giants Causeway
Giants Causeway (Nordirland) nähe Bushmills

Station 4 - Nordirland

Portrush
Portrush (Nordirland)

Nach zwei Tagen in Galway stand unsere längste Tour an. Portrush im nordirischen Teil der Insel war das auserkorene Ziel. Fast fünf Stunden reine Fahrzeit mussten dafür überwunden werden. Ein Großteil davon verlief auf Landstraßen und war im Nachhinein doch ziemlich anstrengend. Aber dafür erblickten wir endlich mal wieder die Sonne und auch Portrush wusste zu überzeugen. Das Städtchen, ganz im Norden der Insel, ist schon stärker auf Touristen ausgelegt. Mit dem Barrys gibt es sogar einen kleinen Freizeitpark mitten in der Stadt und einige Spielhallen. Unter Golffans dürfte der Royale Golfplatz bekannt sein, denn eines der größten Turniere findet hier jährlich statt.

 

Am heutigen Tag stand noch ein Highlight an, denn das Champions League Finale zwischen Tottenham und Liverpool wurde am Abend ausgespielt. Für mich als Fußballfan natürlich ein Highlight, wenn da nicht eine Reifenpanne dazwischen gekommen wäre. Am Zielort angekommen bemerkten wir, dass wir einen riesigen Nagel im Reifen stecken haben. Aufopferungsvoll kümmerte ich mich um das Auto, während der Rest der Reisegruppe das 2:0 von Kloppos Reds feierten.

 

Nordirland meinte es gut mit uns und schickte am nächsten Morgen erneut die Sonne auf Außendienst. Diese nutzten wir um den Giants Causeway zu besichtigen. Der Damm der Riesen ist ein Naturwunder, da sich dort 40.000 gleichgeformte Basaltsäulen finden lassen. Fahrt dort unbedingt hin! In der näheren Umgebung finden sich zahlreiche coole Klippen und auch Orte, welche als Kulisse für Game of Thrones gedient haben. Die Küste im Norden der Insel ist wirklich unbeschreiblich schön. Die Strapazen der langen Fahrt lohnen definitiv. Als Unterkunft hatten wir ein Apartment mit dem Namen "Atlantic View" und der Name war auch Programm.

 

Die geschichtsträchtige Hauptstadt Nordirlands war ein weiterer Punkt unserer Reise. Als Tagesausflug besichtigten wir Belfast. Empfehlen kann ich das Parkhaus unter dem Titanic Museum. Von dort kann man sehr gut mit dem Bus in die Innenstadt fahren.

Absolut nicht empfehlen kann ich den roten Sightseeing Bus. Wir erhofften uns durch die Tour einen schönen und schnellen Überblick über die Stadt zu erhalten. Leider fuhren wir ¼ der Strecke auf Autobahnen, sahen quasi nichts. Die Technik funktionierte die halbe Tour nicht und die Ansagen waren einfach völlig daneben, in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht. Plant daher bitte etwas mehr Zeit ein und schließt euch ordentlich geführten Touren an. Somit entdeckten wir dann auf eigene Faust Belfast. Zur Stärkung kann das Bootleggers Restaurant empfohlen werden. Das Viertel drumherum ist geprägt von vielen Shoppingmöglichkeiten, Bars und Restaurants. Ein Highlight ist das Duke of York. Hier sollte jeder Belfast Besucher einkehren und damit eines der schönsten Pubs der Insel bewundern. Neben dem Duke ist natürlich auch der Nordirland-Konflikt ein ständiger Begleiter in der Stadt. Auch hier haben wir uns einige Viertel auf eigene Faust angeschaut. Entlang der Shankill Road und am Cupar Way können viele Graffitis und "Peacewalls" besichtigt werden. Der Konflikt wurde nie wirklich beendet, das merkt man jetzt wieder in den Diskussionen um den Brexit und einer eventuellen festen Grenze auf der irischen Insel. Aber Angst um Leib und Leben muss man an keiner Stelle in Belfast haben. Ich kann euch nur ermutigen, dass ihr euch selber in die Viertel bewegt und eure Erfahrungen sammelt. Allein dafür kann man mehrere Tage in Belfast verbringen. Wir hatten leider auf unserer Tour nur einen eingeplant, denn bereits am nächsten Tag stand die nächste Hauptstadt auf dem Plan: Dublin!

Duke of York Belfast
Duke of York Pub in Belfast

Recht unaufgeregt und, wie sollte es anders sein, bei Regen ging es entlang der M1 nach Dublin. Dort hatten wir über Airbnb eine Ferienwohnung gefunden. Leider machten wir damit auch erstmals schlechte Erfahrung mit dem Portal. Laut Beschreibung war es ein privat geführtes und liebevoll eingerichtetes Apartment. Vor Ort und durch telefonische Nachfragen stellte sich heraus, dass eine riesige Agentur die Wohnung verwaltet und man nur mit Sprachbots und Call-Centern in Kontakt kommt. Das hatte leider nichts mit der Idee von Airbnb zu tun, schade! Die Einrichtung war auch auf das minimalste Ikea Sortiment beschränkt.

 

Aber: Regen und lieblos eingerichtete Wohnungen ließen uns den Tag nicht vermiesen. Als erstes besuchten wir das J.W. Sweetman Brauhaus. Ein tolles Pub mit eigener Brauerei in perfekter Lage an der Liffey. Das Haus ist wirklich zu empfehlen, Bier und Essen waren perfekt. Im Anschluss besuchten wir den Workmans Club. Von außen erkennt man diesen Club nicht sofort, aber hier hatte ich vor Jahren schon mal einen genialen Abend und daher stand ein Besuch auf der to-do Liste. Heute waren wir noch etwas zu früh, aber falls ihr eine gute Partylocation in Dublin sucht, dann unbedingt der Workmans Club! Der restliche Abend wurde recht ausgelassen im Ausgehviertel Temple Bar verbracht. Für viel Geld floss auch der gute irische Whiskey unsere Kehlen hinab. Auch in der Unterkunft wurde noch etwas gefeiert, wodurch der nächste Tag etwas zerknirscht angegangen wurde.

 

Dennoch stand auch dieser im Zeichen des Bieres, denn was steht mehr für Irland als Guinness? Wir beließen es diesmal bei einer Brauereibesichtigung von außen. Bei meinem letzten Dublin Besuch haben wir diese auch von innen besichtigt und ich kann diese nur empfehlen. Es lohnt sich, einen festen Termin vorab online zu buchen.

 

Durch das nicht sonderlich ansehnlich Coombe Viertel liefen wir Richtung St. Patricks Cathedral. Meine Mum wollte ihre Kirchenbesichtigungsquote noch etwas aufbessern. Wobei man sagen muss, dass diese von außen, sowie von innen recht ansehnlich ist. Das nächste Ziel war das Trinity College, mit der berühmten Bibliothek. Diese ist echt unglaublich schön, allerdings viel zu voll. Berühmte Instagram Fotos lassen diesen Ort derzeit überlaufen. Ansonsten kann man ruhig mal über den Campus der Universität schlendern. Vor ein paar Jahren hatte ich Glück und wir konnten noch ein Cricketspiel (mit Freibier von einer angrenzenden Studentenparty!) bestaunen. Den restlichen Tag schlenderten wir von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und absolvierten eine Viking Splash Tour. Diese ist ein Mix aus Stadtrundfahrt und kleiner Bootstour. Die Unterhaltung durch die sehr sympathische Sprecherin war gut. Es wurde viel mit zufällig vorbeikommenden Passanten interagiert und die Stimmung war super. Die eigentliche Bootstour war dann allerdings nur im Grand Canal Dock und damit recht kurz gehalten.

Courtmacsherry
Courtmacsherry

Nachdem die großen Städte hinter uns lagen sollte für die restlichen vier Tage nochmal etwas Ruhe und Natur Einzug halten. Um diese zu erreichen musste allerdings erneut eine größere Strecke zurückgelegt werden. Unser Ziel lautete Courtmacsherry, ein Dorf an der Südküste Irlands im County Cork. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Kilkenny vorbei, eine wunderschöne Kleinstadt, welche für ihr Bier überregional bekannt ist. Wobei die Brauerei Smithwicks ihr wunderbares Ale nur in Deutschland als "Kilkenny" verkauft. Meine Eltern besichtigten das Kilkenny Castle, während meine Freundin und ich uns auf einen Streetfood Markt vollgefuttert hatten.

 

Nach ein paar Stunden ging es nun ins beschauliche Courtmacsherry. Hier hatten wir über Airbnb ein wunderschönes Ferienhaus gefunden. Am Abend zog es uns nur noch in das Lifeboat Inn Restaurant, wo man sehr gute frische Muscheln ausschlürfen kann. Nur wenige Meter weiter ist das Anchor Pub und damit hat man die Ausgehmeile des Ortes auch schon absolviert. Rund um den Ort gibt es wunderbare Wanderwege, oft entlang der Küste, welche auch sehr gut ausgeschildert sind.

 

Am nächsten Tag gingen wir auf Wanderung, besuchten das kleine Städtchen Kinsale, das Charles Fort, Clonakilty mit seiner Distillery, den Drombeg Stone Circle und durch Zufall ein Bootsrennen in Glandore. Klingt nach viel, aber im Großen und Ganzen war Entspannung angesagt. Ein Bad im kalten Atlantik musste natürlich auch noch genommen werden… Manoman, was tat ich mich schwer damit. Gefühlt zwei Stunden habe ich bis zum endgültigen eintauchen gebraucht. Eine währenddessen ankommende Frauen Triathlon Trainingsgruppe sprang einfach rein ins (sehr) kühle Nass und drehten fleißig ihre Runden.

 

Die etwas ruhigeren Tage zum Schluss platzierten wir extra so, damit keine weite Fahrt mehr bis zum Kerry Airport anstehen musste. Den erreichten wir dann nach 14 Tagen auch wieder problemlos und flogen entspannt von der grünen Insel nach Berlin Schönefeld.


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