Litauen Rundreise im April

Klaipeda - Kaunas - Vilnius - Palanga - Nida

Klaipeda DFDS Kiel
Abfahrt Ostuferhafen Kiel

Liebes Litauen,

 

ich muss mich entschuldigen! Entschuldigen für meine Vorstellung, die ich von dir hatte und die mich lange Zeit davon abgehalten hatten dich zu besuchen.

 

Doch von vorn: Nachdem ich Lettland und Estland (leider zu kurz) bereist hatte, stand Litauen weiterhin nicht sehr weit oben auf meiner Wunschliste. Irgendwie hatte sich vor ein paar Jahren das Bild der "grauen Maus" bei mir gefestigt, obwohl ich mich nie großartig mit diesem Land auseinandergesetzt habe. Lag es vielleicht daran, dass es in Erfurt eine Vilnius Passage gibt und diese in einem Plattenbaugebiet liegt? Habe ich dieses Bild in meinem Kopf vielleicht 1:1 übertragen auf das wahre Vilnius? Oder war es eine der zahlreichen Autoschieber Reportagen von Spiegel TV & Co, die dieses Bild erstellt haben? Ich weiß es wirklich nicht mehr, aber mit den Jahren stieg auch die Lust in mir, die grauen Mäuse Europas zu bereisen. Spätestens nach dem ich über die Kurische Nehrung gelesen habe stand fest, dass dieses Land besucht werden muss! Ostern 2019 bot sich dank geschickter Planung der Brückentage dafür sehr gut an. Bei einer Suche auf Skyscanner wurden mir auch Schnäppchenflüge nach Vilnius angezeigt, doch die Recherche weckte weitere Ideen. Eine Schiffsreise steht bei uns schon länger auf der To-Do Liste, aber eine Kreuzfahrt? Mit diesem Gedanken können wir uns nicht so richtig anfreunden… Warum nicht mal mit der Fähre, inklusive Kabine? Wir spielten verschiedene Szenarien durch: Mit der Fähre Hin- und Zurück, Fähre hin und zurück auf dem Landweg mit dem Auto oder doch komplett fliegen? Wir wählten das erste Szenario, denn dieser Urlaub sollte uns auch etwas entschleunigen, da es die erste Auszeit seit August des Vorjahres für uns beide zusammen war. Gebucht haben wir die Fährtickets bei DFDS von Kiel nach Klaipėda. Im April 2019 war das die einzige direkte Fährverbindung. Der Vorteil bei DFDS ist, dass diese Verbindung 7 Tage pro Woche angeboten wird und man somit flexibel planen kann. Alternativ kann man per Zwischenstopp in Trelleborg auch von Rostock fahren. Gekostet hat uns die Hin- und Rückfahrt mit Außenbordkabine und Frühstücksbuffet 514 €. [Alle wichtigen Infos und Tipps zur Fährverbindung findet ihr hier] Das ist natürlich nicht die günstigste Art zu reisen, war aber für unser Vorhaben perfekt. Da wir ordentlich Zeitpuffer eingeplant hatten, konnten wir noch im Strandkorb die Aussicht auf die Kieler Bucht genießen und auf den Urlaub anstoßen.

Klaipeda Memel Litauen
Klaipeda bei Nacht

Die Fähre war zum Ostersamstag natürlich nicht mit Touristen übersät, vielmehr machten sich die Trucker breit und sorgten mit ihrer Gelassenheit für eine entspannte Atmosphäre auf dem Schiff. Die Ostsee meinte es gut mit uns und bescherte uns eine ruhige Überfahrt. Auch wenn es anfangs ungewohnt war mal wieder in getrennten Betten zu schlafen, war die Nacht durch das ganz gemächliche auf und ab super entspannt. Nachdem Frühstücksbuffet verging die Zeit mit Lesen, den Blick über das Meer und Switch zocken wie im Fluge. Gegen 16 Uhr erblickten wir dann die Kurische Nehrung und kurze Zeit später erfolgte die Einfahrt in den Hafen von Klaipėda.

 

Klaipėda, bis zum Ende des ersten Weltkrieges unter dem Namen Memel die nördlichste Stadt Deutschlands, ist eine wichtige Hafenstadt im Baltikum, da dieser ganzjährig Eisfrei ist. Leider wurde die Stadt im zweiten Weltkrieg zur Hälfte zerstört, was den Bestand an alten Fachwerkhäusern sehr schrumpfen lassen hat. Dennoch wählten wir Klaipėda als erste Station aus und bezogen das Ibis Styles Klaipėda Aurora Hotel in unmittelbarer Nähe zum DFDS Fährhafen für eine Nacht. Das Hotel ist sehr schick, da vor kurzen modernisiert und mit 34 € pro Nacht fürs Doppelzimmer inkl. Frühstück ein Schnäppchen. In der kleinen Altstadt angekommen, wählten wir das Restaurant Etno Dvaras gegenüber dem Theater aus. Etno Dvaras bietet litauische Küche und findet sich in allen größeren Städten Litauens wieder. Uneingeschränkt empfehlen können wir es leider nicht. Da es sich offensichtlich um eine Kette handelt, waren die Mitarbeiter sehr unmotiviert und unflexibel z.B. in Bezug auf Mischung von Speisen (lässt sich vermutlich im Kassensystem nicht kombinieren, also geht’s nicht..). Das Essen war gut, aber nicht herausragend. Ostersonntag, nach 20 Uhr waren Klaipėdas Straßen wie leer gefegt und wir besichtigten die Stadt im Schnelldurchgang.
Mein Fazit zu Klaipėda: Es gibt ein paar schöne ältere Straßen, das Kopfsteinpflaster hat Charme. Entlang des Flusses Danė gibt es einige nette Bars und entlang der Uferpromenade, sowie die Gegend um das Old Mill Hotel und der benachbarter Memelburg ist auch nett anzuschauen. Im Großen und Ganzen ist es aber halt eine aufstrebende Hafen- und Industriestadt. Wenn man das akzeptiert kann man auf einem Zwischenstopp hier mal durchschlendern, aber ein Tag reicht voll und ganz aus.

Kaunas 9. Fort Litauen
Denkmal für die Partisanen im 9. Fort

Am zweiten Tag ging es dann schnurstracks geradeaus über die A1 nach Kaunas, mit 305.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Litauens. Gebucht hatten wir ein kleines, aber sehr schickes und sauberes Zimmer in den Piano Apartments. Für nur 32 € pro Nacht ist dieses sehr empfehlenswert, einige Apartments haben auch Blick auf die Memel. In Kaunas haben mich meine kartographischen Fähigkeiten ordentlich verwirrt. Ein Blick auf die Karte und wir steuerten die Laisves Straße im Zentrum an, mit dem Gedanken, dass es sich um die Altstadt handeln wird. Wir fanden dort eine riesige Einkaufsstraße, welche allerdings von einer Baustelle durchzogen ist. Schaut sicherlich nicht verkehrt aus, wenn diese Straße komplett saniert wurde. Aber irgendwie fehlte uns der Altstadtcharme. Vorbei am Museum für Blinde (geniale Idee!) zog es uns Richtung Nemunas Insel, auf welcher sich auch die Zalgirio Arena befindet. In dieser riesigen Halle haben die erfolgreichsten Basketballer Litauens, Zalgiris Kaunas, ihre Heimat. Die Nemunas Insel ist ein beliebter Ausflugsort, ideal für Picknick, Beachvolleyballer und zum gemütlichen schlendern. Nichts desto trotz war das noch nicht das wunderschöne Kaunas, von dem ich vorher viel gelesen habe. Meine kartographischen Fähigkeiten mussten nachjustiert werden und ein erneuter Blick bescherte mir die Erkenntnis, dass wir uns im neueren Zentrum befanden und nicht in der Altstadt, welche nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt lag. Und hier präsentierte sich Kaunas dann von der schönsten Seite! Farbige Häuser, uraltes Kopfsteinpflaster und Cafés links und rechts der Straßen (z.B. Straße Vilniaus Gatve) Wir wollten auf Grund unserer Uninformiertheit Kaunas fast ein schlechtes Zeugnis ausstellen, aber dieser Stadtteil macht alles wett und ist uneingeschränkt zu empfehlen! Wir haben die Seele in einen der Cafés bei bestem Wetter baumeln lassen, ein paar Bier und ein mega leckerer Lavakuchen haben dazu positiv beigetragen. Kurz vor dem Zusammenfluss von Neris und Memel findet ihr noch die mittelalterliche Burg Kauno Pilis und viele Klosteranlagen, auch mit Statur von Johannes Paul dem zweiten. Hier macht das Gasse für Gasse entdecken echt spaß. Zum Abendessen fanden wir das traditionell eingerichtete Restaurant Bernelių užeiga und können dieses uneingeschränkt empfehlen! Gut gelaunte Kellner und leckeres Essen zu angenehmen Preisen. Zur späteren Stunde verwandeln sich die entspannten Cafés dann vielfach in kleine Bars. In einer davon ließen wir den Abend mit leckeren litauischen Bier ausklingen.

Litauen Essen Food Fleisch
Foodporn auf litauisch

Anfangs hatten wir für Kaunas eine weitere Übernachtung eingeplant, diese dann aber zugunsten einer weiteren an der Küste umverteilt. So verließen wir bereits am nächsten Morgen das liebgewonnene Kaunas wieder. Doch bevor es auf die 1,5 stündige Autofahrt nach Vilnius ging, besuchten wir vor den Toren von Kaunas das 9. Fort (XI Fortas). Hier wird die dunkle Geschichte Litauens erlebbar. Die an einem Autobahnkreuz gelegene Befestigungsanlage diente ab 1902 zur Sicherung der zum Zarenreich gehörenden Stadt Kaunas. Diesen Status behielt die Anlage aber nicht lange und wurde bereits 1924 als Außenstelle eines Gefängnisses genutzt, welches erst der russische NKWD und ab 1941 die Deutschen für sich eingenommen haben. Viele Litauer sahen die deutschen als Befreier, da ihr Land zu vor von der Sowjetunion besetzt wurde. Deutsche Offiziere bescheinigten den Litauern großen Eifer bei der Erledigung der Judenfrage, denn militante Gruppen verübten oftmals ohne Auftrag der Deutschen Massaker. Auch im 9. Fort wurden mindestens 50.000 Menschen ermordet. 1958 wurde ein Museum über die Verbrechen des Nationalsozialismus eröffnet. Wie so oft in der Sowjetunion wurden dort aber jüdische Opfer explizit nicht genannt. Von außen sieht man einen unscheinbaren Betonbau, aber architektonisch ist die Anlage von innen interessant. In diesem Betonbau wird vor allem die sowjetische Besatzung 1940 und ab 1944 behandelt. Im oberen alten Teil des Forts können die alten Gefängnisse besichtigt werden. Beeindruckend erscheint vor allem das Monument "Kampf, Sieg und Leid im Widerstand" vom Bildhauer Alfonsas Ambraziunas. Litauen war zwar das erste Land, welches nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion den Schutz der Stätten des Holocaust in die Verfassung schrieb, aber eine wirkliche Aufarbeitung der NS-Kollaboration gibt es nicht. Diesen Umstand kritisiert auch dass Simon Wiesenthal Center zu Recht, da es auch nahezu keine juristische Aufarbeitung gibt. Vielmehr wird der Fokus auf die russische Besatzung von 1944-1989 gelegt, bei der mit Sicherheit auch viele Verbrechen an der Bevölkerung begangen wurden, aber sollte man sich deshalb nur halbherzig mit der Verantwortung von fast 200.000 toten Juden beschäftigen?

 

Mein Fazit zu Kaunas: Ganz kurz gesagt – definitiv sehenswert! Ich denke, dass die Stadt für viele Städtetripenthusiasten etwas zu bieten hat. Die kilometerlange Flaniermeile Laisvés al., sowie Shopping Center (z.B. Akropolis) lässt den Inhalt eures Portmonees schmelzen. Daneben bieten zahlreiche Grünanlagen einen Raum zum Entspannen und mit dem Zusammenfluss von Memel und Neris auch die Gelegenheit zum Füße kühlen in zwei verschiedenen Flüssen. Geschichtsinteressierte können das 9. Fort oder zum Beispiel die mittelalterliche Burg Kauno Pilis besichtigen. Auch Sportfans kommen auf ihre Kosten, denn mit Zalgiris ist hier eines der besten Basketball Teams Europas beheimatet. Allerdings waren 10 von 15 Heimspielen in der Basketball Euro League ausverkauft. Dass der Altstadtbereich ein Muss ist, habe ich bereits erwähnt.

Vilnius Gediminas Litauen
Blick vom Gediminas Turm auf Vilnius

Der Sonne entgegen, fuhren wir in südliche Richtung nach Vilnius. Für uns Erfurter eine besondere Stadt, da Vilnius und Erfurt bereits seit den 70er Jahren eine Städtepartnerschaft verbindet. Als erstes wurde unsere Unterkunft Lvovo Apartments nördlich des Flusses Neris angesteuert. Die Unterkunft war nur etwa 10 Minuten von der UNESCO Weltkulturerbe geschützten Altstadt entfernt. Bevor diese erkundet wurde, ging es ins Old Green House zum Mittagessen, ein wirklich schön eingerichtetes Restaurant mit traditioneller litauischer, aber auch europäischer Küche. Vermutlich beflügelte uns dieses Essen, denn wir haben noch am selben Tag fast komplett die riesige Altstadt, das alternative Viertel Uzupio und selbst den Gediminas Turm erklommen. Beeindruckt von den zahlreichen Baudenkmälern, unzähligen Kirchen und den alten engen Gassen des ehemaligen Ghettos Liesen wir die Eindrücke nach gefühlt 30.000 Schritten bei einen Wein ausklingen.

Vilnius jüdisches Viertel Litauen
Ein Haus im ehemaligen jüdischen Ghetto

Am nächsten Morgen sollte es wieder etwas geschichtlich werden. Doch zuvor muss ich ein Frühstückstipp im La Crépe aussprechen, super lecker! Im westlichen Bereich der Altstadt, befindet sich das Museum der Opfer des Genozids, umgangssprachlich auch KGB Museum genannt. Ähnlich wie im 9. Fort wird auch hier hauptsächlich die Besatzungszeit der Sowjets behandelt. Die Eindrücke dort sind sehr bedrückend. Um das litauische Selbstverständnis und die heutige Beziehung zu Russland zu verstehen, wird ein Besuch empfohlen. Um auf bessere Gedanken zu kommen, erklimmen wir den nahe gelegenen "Ochsen Berg". Darüber hinaus wurde der Frank Zappa Statur ein Besuch abgestattet. Diese stellten Jugendliche Anfang der 90er als Symbol der Freiheit auf, obwohl der Künstler niemals Litauen besuchte. Durch das ehemalige Ghetto ging es dann nach Uzupis, den alternativen Viertel und selbsternannten unabhängigen Staat. Im Internet wird dieses Viertel sehr gehypt. Die Leute machen Selfies vor der Verfassung, welche wirklich ein paar witzige Paragraphen bereithält ("Jeder Mensch hat das Recht faul zu sein"). Hier und da gibt’s öffentliche Galerien und nette Graffiti Kunst, aber so richtig Szene-Kiez ist das auch nicht. Die Mieten sind dank zahlreich zugezogener (Lebens-)Künstler und Luxus Restaurants stark gestiegen. Gentrifizierung, wie in jeder anderen Stadt auch. Aber, nichtsdestotrotz erlebten wir dort einen sehr amüsanten Abend. Wirklich lohnenswert ist die Uzupio Kavine mit wunderschöner Terrasse über dem Fluss Vilnia. Der eigentliche Plan war, nur ein Absacker zu sich zunehmen, damit wir am nächsten Tag so früh wie möglich an die langersehnte Küste fahren können. Aus einem Absacker wurde eine Schnaps Verkostung… Irgendwie kamen wir noch mit Kristina und Denis ins Gespräch, zwei der deutschen Sprache mächtigen Litauern und versackten mit den beiden dann noch in der Spunka, eine wirklich nette Kneipe mit alternativem Touch. Böser Abend, der die Abfahrt am nächsten Tag erst um ein vielfaches später stattfinden lies. 
Tipp: Über die App "Bolt" ein Taxi buchen. Ähnlich wie Uber, aber günstiger. Machen laut unseren neu gewonnenen Trinkkumpanen alle jungen Leute in Vilnius so.

 

Mein Fazit zu Vilnius: Für Altstadt, Kirchen und Burgen Fans ein absolutes Muss! Leider hat die Stadt es verpennt, eine größere Autofreie Zone im Stadtgebiet einzurichten. Durch jede noch so enge Gasse rasen auf uralten Kopfsteinpflaster Autos. Auch wenn die Stadt sehr schön ist, hat das wirklich genervt, da man nur selten die ansehnlichen Gassen auf sich wirken lassen konnte. Das Nachtleben ist in der Hauptstadt natürlich gut, es gibt viele Bars und zahlreiche verschiedene Restaurants. Sehenswert definitiv, aber wer auch mal Ruhe sucht, muss sich östlich der Vilnia aufhalten.

Palanga Litauen
Flaniermeile in Palanga mit unzähligen Bars und Restaurants

Das nächste Ziel unserer Reise war Palanga, der Urlaubsort des Baltikums überhaupt. Geplant war die Reise in östliche Richtung, vorbei am geographischen Mittelpunkt Europas und Siauliai. Doch mit schwerem Kopf (ich denke das letzte Bier war schlecht), wählten wir die kürzere Route über Kaunas/Klaipeda. Die Landschaft links und rechts der Autobahn erwies sich als nicht Abwechslungsreich und ausgedehnte Besuche des Hinterlands mit den unzähligen Seen haben wir ausfallen lassen. So rede ich mir zumindest ein, nichts auf der anderen Route verpasst zu haben. In Palanga angekommen, waren wir dann sehr positiv überrascht. Das Amberton Apartment wurde relativ kurzfristig und ohne größere Recherche gebucht. Vor Ort erblickten wir dann erst, dass es sich um ein Spa Hotel mit wunderschönen Zimmern handelt. Eigentlich bin ich da ziemlich penibel beim buchen, aber das hatte ich irgendwie nicht mehr auf den Schirm. Sehr schöne Anlage, die wirklich empfehlenswert ist und für weniger als 45 € pro Nacht sehr günstig, mitten im Stadtzentrum. Auch wenn das Bett sehr anziehend aussah, wollten wir unbedingt zum Meer und auf dem Weg dorthin kam dann Urlaubsstimmung pur auf. Auf der Basanavičiaus Straße gab es wirklich alles, was in einem klassischen Urlaubsort nicht fehlen darf. Restaurants, Souvenirstände, Spielautomaten, Fahrradverleih, Clubs und natürlich laute Musik. Im Sommer ist Palanga das Urlaubsziel der Region und entsprechend gut aufgestellt mit zahlreichen Hotels und Campingplätzen. Am Ende dieser "Urlaubsmeile" muss nur noch der Deich überwunden werden und man hat einen herrlichen Ausblick auf die Ostsee und die dortige Seebrücke. Die Küste ist Richtung Westen ausgerichtet und bietet somit jeden Abend einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang. Hotelbunker sucht man am Strand vergebens, denn ein breiter Grünstreifen mit zahlreichen Radwegen schlängelt sich zwischen Stadt und Sandstrand. Trotz zahlreicher Touristen findet man hier definitiv einen Platz zum allein sein. Kurortų pramogos ist ein Fahrradverleih mitten im Zentrum. Für nur 15 € pro Bike haben wir uns Räder ausgeliehen. Ziel war die Lettische Grenze, welche knapp 18 km entfernt war. Großteil folgten wir den gut ausgebauten und in herrlicher Landschaft eingefügten Europaradweg R1. Sonnen geschützt ging es durch Kiefernwälder, welche aber alle paar hundert Meter einen Strandzugang ermöglichen. 

Ostsee Strand Palanga Litauen Meer Sonne
Ostseestrand in Palanga
Litauen Grenze Lettland Ostsee Strand Baltikum Meer
Fahrradtour zur Grenze von Litauen und Lettland

Mein Fazit zu Palanga: Sonnenschein, feiner Sandstrand und 30 Grad Ende April. Ganz ehrlich, kann man da was Schlechtes sagen? Hier gibt’s wirklich nichts zu meckern, es handelt sich um einen sehr schönen Ort mit zahlreichen sportlichen Möglichkeiten. ABER: Wir waren im April hier, ich weiß nicht wie es im Hochsommer ist. In der Nebensaison ist diese Gegend wirklich zum Entspannen geeignet und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von uns noch einmal besucht!

 

Palanga nach zwei Übernachtungen zu verlassen war für uns nur so einfach, da unser persönliches Highlight noch auf uns wartete: die Kurische Nehrung. Der Weg führte uns ins 20 km entfernte Klaipeda. Neben dem IBIS Aurora Hotel befindet sich die kleine Fähre, welche uns und zahlreiche Russen auf die Nehrung bringt. Für die Russen ist dieser Weg zwar etwas teurer, aber dennoch eine geeignete Abkürzung Richtung Kaliningrad. 12 € kostet die Überfahrt Hin und zurück für ein Auto und zusätzlich 5 € für den Nationalpark. Zwischen Juni und August steigt dieser Eintrittspreis pro Auto auf 20 €. Fußgänger und Radfahrer sind davon nicht betroffen. Alle Informationen zu den Preisen findet ihr hier [Link]

Litauen Nida Thomas Mann
Nida auf der kurischen Nehrung

Ziel unserer Reise war Nida, der südlichste Punkt auf der litauischen Seite der Landzunge, nur wenige hundert Meter von der russischen Grenze entfernt. Hier gönnten wir uns eine etwas teurere Ferienwohnung namens VilaRita, welche aber in der schönsten Straße der Kleinstadt und direkt am Haff liegt. Dieser Ort war perfekt zum entschleunigen. Es gibt keine Clubs und Bars um bis tief in die Nacht sich rum zutreiben, es ist nicht voller Sehenswürdigkeiten die man nach und nach abhetzt, die Landschaft für sich ist ein Highlight. Diese kann man bei einem Bier auf der Terrasse oder aktiv beim Besteigen der zahlreichen Dünen auf sich wirken lassen. Empfehlenswert ist ein Aufstieg auf die Hohe Düne bei Nida, bei der man auch einen Blick in die russische Enklave Kaliningrad werfen kann. Noch etwas besser hat mir die Graue Düne gefallen, welche schon einige Ortschaften unter sich begraben hat. Begibt man sich auf die Ostseeseite der Landzunge, findet man einen traumhaften und kaum erschlossenen Sandstrand vor. Leider waren auf dieser Seite die Winde etwas unangenehmer und die Verhältnisse rauer. Gegessen haben wir auf der kurischen Nehrung ausschließlich sehr gut. Einige Gaststätten sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, da diese vermutlich privat betrieben werden. Für Fischliebhaber empfehle ich das Pas Jona, direkt am Haff. Hier wird vor Ort geräuchert.

 

Mein Fazit von Nida: Für mich das schönste Fleckchen in Litauen, keine Frage! Ihr wundert euch vielleicht, warum der Text dann relativ wenige Details preisgibt, aber ich würde an der Stelle einfach die Bilder sprechen lassen. Es ist wirklich schön, schaut euch das an!

Litauen Nida Kurische Nehrung
Blick von der grauen Düne auf das Haff

Nach drei Tagen auf der Kurischen Nehrung heißt es leider langsam Abschied nehmen von Litauen. In Klaipeda begann die Rundreise und endete sie auch wieder. In einen der riesigen Shoppingcenter wurde noch reichlich Proviant für die Rückfahrt auf der Fähre eingekauft. Am Abend gegen 21 Uhr ging dann die Reise los Richtung Westen, durchaus mit etwas Wehmut, denn dieser Urlaub war traumhaft!

Ein Tipp zum Alkoholkonsum in Litauen:

Nirgends auf der Welt wird pro Kopf mehr getrunken als in Litauen. Ein Grund warum seit 2017 die Alkoholgesetze verschärft wurden. Das Mindestalter wurde auf 20 Jahre hochgesetzt. In der Öffentlichkeit ist es untersagt Alkohol zu trinken. Werktags darf Alkohol nur zwischen 10 und 20 Uhr, sonntags nur bis 15 Uhr verkauft werden. Die verschärften Regeln betreffen auch Sportveranstaltungen, hier ist der Ausschank verboten. 


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