Italien Tour September 2013

Spontanität par excellence beschreibt diese Reise am besten. Alles begann mit der Champions League Auslosung am 29. August. Mit Spannung verfolgte ich die Ziehung und dann, später am Abend das Hammerlos: Borussia Dortmund zusammen mit dem SSC Neapel in einer Gruppe und dann auch noch am ersten Spieltag bei den Italienern. Der südliche Teil Italiens war schon lange ein Traumziel für mich. Im gleichen Moment hat mich Birk bei Facebook und Marcel per Whatsapp angeschrieben und so spinnten wir am gleichen Abend eine Reise nach Neapel zusammen. Mit Robin wurde noch am selben Abend ein weiterer Teilnehmer gefunden. So stand unsere 4er Kombo aus Rot-Weiß Fans in kürzester Zeit. Ryanair Flüge wurden von Leipzig nach Rom gebucht sowie das Mietauto gechartert. Somit stand die Reise fest und musste nur noch ausgeschmückt werden. Ein Blick auf den Spielplan der Serie A und B lies die Vorfreude beinahe Explodieren, Rom Derby am Sonntag, Freitagabend Spiel in der Serie B, Samstagspiel an der Adria und durch viel Glück sogar Donnerstag Europa League in Rom! Das bedeutete 5 Spiele in 7 Tagen in 4 Grounds und alles in relativ kurzen Entfernungen. Flug, Hostels und Auto zu buchen war natürlich alles kein Problem, aber diese Dinge reichen leider nicht um ein Stadion zu betreten. Da keiner von uns je in Italien ein Spiel besucht hat, waren wir uns relativ unklar wie wir eigentlich an Tickets kommen. Braucht man diese blöde Fankarte? Reicht ein Personalausweis? Gibt es für das Derby überhaupt einen öffentlichen Verkauf? Für das Champions League Spiel gab es auf Dortmunder Seite erst mal nur einen Mitgliedervorverkauf. Bei der Anzahl an Mitgliedern war der Gästeblock für uns damit abgeschrieben. Schöner Mist, sollten wir uns etwa unter die Heimfans mischen? Der BVB riet seine Fans dringend davon ab, wahrscheinlich auch zu Recht. Mit viel Dusel gingen 200 Tickets für den Gästeblock in den freien Verkauf. Offenbar war das Spiel für einige Borussen zu kurzfristig angesetzt. So durfte Marcel Freitag früh um 7 nach Dortmund düsen, damit er der erste in der Schlange war, doch aus welchem Grund auch immer war er der einzige und so konnten wir „Problemlos“ unsere personalisierten Tickets vier Tage vor dem Abflug endlich in den Händen halten! Ein Blick auf die Zuschauerzahlen der letzten „Derby della Capitale“ machte uns auch Hoffnung, dass wir hierfür auch Karten bekommen sollten. Durch die Kontaktaufnahme mit einen örtlichen Hostel-Betreiber wurde uns auch versichert, dass für Ausländer keine spezielle Fankarte notwendig ist und man einfach nur mit dem Perso in die Fanshops marschieren braucht.

Neapel Napoli Altstadt Oldtown
ssc napolo Neapel Logo Wappen

SSC Neapel 2:1 Borussia Dortmund

18.09.2013 / Champions League / Gruppe F / 1. Spieltag / Stadio San Paolo /

55.800 Zuschauer / Neapel - Italien

Distanz: 1649 km

BVB Dortmund Logo Wappen

Stadio San Paolo Napoli Neapel außen Sonnenuntergang
Stadio San Paolo

Am Dienstag den 17.09. startete unsere Reise. Am Leipziger Hauptbahnhof haben wir uns getroffen, noch schnell ein Hopfenhaltiges Getränk besorgt und es konnte auf unsere Reise angestoßen werden. Am Flughafen Leipzig/Halle angekommen, wurden bereits die ersten Schwarz-Gelben gesichtet. Auch wenn ich selber kein Sympathisant vom BVB bin, aber bei solch einer Ansicht kommt wirklich Europapokal Stimmung auf. Mit dem RWE durch Europa fliegen... Man wird ja mal träumen dürfen… Etwa 50 offensichtliche Borussen sowie einige Borussinnen haben im Ryanair Flieger nach Rom Platz gefunden. Dort angekommen schnell das Mietauto abgeholt und die knapp 2-Stündige Fahrt nach Neapel konnte losgehen. In der drittgrößten Stadt Italiens und Hauptstadt der Region Kampanien angekommen, wurden wir nahezu von dem Mythos Napoli erschlagen (besser noch als erstochen). Die angeblich gefährlichste Stadt Europas wurde Wirklichkeit, zumindest erschien sie so. Die Straßen waren dunkel, rau und dreckig. Zusammen mit dem Ruf von Mafia, Kriminalität und Korruption fühlt man sich, vor allem wenn man nachts um 1 ankommt erschlagen und möchte eigentlich nur eins, wieder weg aus dieser Stadt. Im „sicheren“ Hostel hatte zum Glück die Bar noch offen, einige BVB Fans hatten sich dort ebenfalls eingefunden und mit den beliebten 0,66 L Flaschen feinsten Nastro Azzurro Bier verarbeiteten wir die ersten Eindrücke von Neapel bis tief in die Nacht.

 

Am nächsten Morgen bei schönstem Sonnenschein wirkte die Stadt wieder viel friedlicher. Der Verkehr in Neapel ist unglaublich chaotisch! Doch dazu später mehr. Als erstes stand etwas Kultur auf dem Programm. Mit dem Zug ging es zur Ausgrabungsstätte von Pompeii, welche wirklich beeindruckend ist. Ich hab mit wenigen hundert m² gerechnet, aber das Gebiet ist sehr groß, selbst eine Arena befindet sich gut erhalten am Fuße des Vesuvs. Diese diente dann auch gleich für Fußballtypische Poser-Gruppen Fotos ;) Am Nachmittag schlenderten wir noch durch die UNESCO Kulturerbe geschützte Altstadt, in welcher man vor allem in kleineren Gassen das Gefühl hatte, in jedem Augenblick ausgeraubt zu werden. Übrigens ist es dort verboten Motorradhelme zu tragen, auf Anweisung der Camorra, da sich sonst Feinde unter diesen verstecken könnten. Wie gesagt, diese Stadt ist beeindruckend, durch ihre Größe, Ruf und Rauigkeit aber auch durch den SSC Neapel, an welchem sich die Bevölkerung festhält. Bilder von Diego Maradonna und Blau-Weiße Fahnen sind in der ganzen Stadt allgegenwärtig.

 

Im Hostel haben wir noch einen Australier kennengelernt, der Neapel Fan ist und gut italienisch sprechen kann. Zusammen mit ihm sind wir mit dem Taxi zum Stadion San Paolo gefahren. Diese Fahrt wird keiner vergessen. Durch die kleinsten Gassen inklusive Gegenverkehr mit 70km/h laut hupend durchgeheizt, an roten Ampeln wartende Autos überholt und die 8 km zum Stadion trotz Staus in weniger als 20 min hinter uns gebracht. Am Stadion angekommen wollte der gute Mann uns an der Curva B raus lassen, was wir für eine gar nicht so gute Idee hielten. Die Ultras die uns dort gesehen haben, haben uns auch „freundlich“ grinsend darauf aufmerksam gemacht, dass wir doch aussteigen sollten. Mit den Worten „Napoli Tifosi no problemo“ meinte der Fahrer, dass alles kein Problem wäre… Freundlich aber bestimmt haben wir ihn drauf aufmerksam gemacht, dass wir gern zum Gästeblock möchten. So fuhr er uns noch 100 Meter direkt zur Gegengeraden und weigerte sich dann weiter zu fahren. Klasse! Direkt im Heimbereich beim SSC Neapel. Unser Italienisch aussehender Australier brachte uns dann noch Richtung Gästeblock, vorbei an der Curva A, bei welcher wir erneut von einem riesigen schwarzen Mob kritisch beäugt wurden. Bei diesem Spiel kann man sich glücklich schätzen, dass die Desperados Dortmund eine Freundschaft mit Catania pflegen, welche wiederum mit Neapel befreundet sind und so zu gegenseitigen Respekt aufgerufen wurde. Ansonsten wäre es wahrscheinlich mit unserer Reise an dieser Stelle zu Ende gewesen. Das Stadion San Paolo, WM Austragungsstätte 1990, ist einfach beeindruckend. Tausende Menschen wuseln durch das Viertel, überall Müll, Graffitis und laute Gesänge. Die Polizei hat nahezu keine Macht, direkt vor Ihnen klettern Jugendliche über die Zäune, schaffen sich so Zugang zum Stadion und in andere Blöcke. Selbst kleine Pakete wurden so noch ins Stadion geschmuggelt und die Polizei schaut zu oder traut sich vielleicht auch gar nicht einzugreifen.

 

Im Gästeblock musste man sich vier Kontrollen unterziehen, welche aber jedes Mal nur darauf ausgerichtet waren, zu prüfen ob man wirklich der Karteninhaber ist. Als neutrale Fans haben wir weiter oben im Gästeblock platz genommen und einfach nur noch die Atmosphäre aufgenommen. Die beiden Kurven von Neapel (Curva A und B – jeweils Standort der Neapel Ultras) haben sich mächtig eingesungen und die BVB Spieler gnadenlos ausgepfiffen. Die Ruhrpott Ultras kamen erst kurz vor Anpfiff im Stadion an und eine kleine Blockfahne deutete bereits auf eine ordentliche Pyroeinlage hin. Doch zuerst die CL-Hymne. Diese im Stadion zu hören ist schon immer was Besonderes, aber die Napoli Fans schreien das letzte „The Champions“ mit einer Lautstärke, sensationell! Da hat sich wirklich jeder im Gästeblock erschrocken. Es gibt auch ein YouTube Video, welches die Situation von einem Kilometerweit entfernten Hügel dokumentiert, muss man sich anschauen! Die Curva B zeigte eine Choreo mit grünen Zetteln und einer Blockfahne auf welcher ein Fußballer in Ultra Style – mit Fischerhut und Bengalos in der Hose – zeigt. Die Curva A beschränkte sich auf Pyro und laute Gesänge. Vereinzelt gab es noch kleinere Blockfahnen im Stadion. Wie sicherlich jeder gesehen hat, hat Dortmund sehr stark gezündet, was bei solchen Kontrollen vorab auch kein Problem war. Wirkte alles aber sehr gut, gepaart mit Böllern, Leuchtrakete, Blinkern und vielen Bengalos, kann sich sehen lassen! Die Italienische Polizei wirkte auch sehr gelassen, einige machten mit ihren Handys sogar Fotos von dem ganzen Spektakel. Schade nur, dass währenddessen in Deutschland von einem Rückschritt in der Pyrodebatte gefaselt wird. Schaut man in ins weite Rund, konnte man sogar einen kleinen Jungen, maximal 10 Jahre alt sehen, welchen seelenruhig einen Rauchtopf schwingt. So verschieden sind halt die Mentalitäten.

 

Insgesamt haben sich etwa 1.500 Borussen im Gästeblock eingefunden, ich denke für die geringe Planungszeit von nur 3 Wochen und einer gewissen Champions-League Sättigung der „normalen Fans“ ganz ordentlich. Das Wort Hexenkessel ist bei diesem Spiel nicht übertrieben, aus allen Blöcken schallten laute Gesänge aus den insgesamt 55.800 Kehlen. Wenn ein BVB Spieler an den Ball kam, setzte ein gellendes Pfeifkonzert ein. So hätte ich das nach den ganzen Problemen im und um den Italienischen Fußball nie erwartet. Das Spiel tat sein Übriges für die gute Stimmung im weiten Rund. Napoli setzte die 11 Borussen frühzeitig unter Druck. In der 29. Minute konnte der Argentinier Higuain eine Ecke per Kopf veredeln. Jetzt tobte das Stadion erst recht. Ein unbeschreiblicher Torjubel und ein Stadionsprecher der die Massen noch mehr peitschte. Das Spiel wurde immer verrückter, Klopp musste auf die Tribüne (angeblich traute er sich das nicht und hat Platz beim Hausmeister gefunden), Hummels musste verletzt raus, rote Karte Weidenfeller, Eigentor Neapel und eine fünfminütige Sturm und Drang Phase des BVBs in der Nachspielzeit machten einen unbeschreiblichen Fußballabend perfekt. Nach dem Spiel applaudierten sich Gästeblock und Heimfans zu, ich denke beide waren sehr voneinander angetan und zollten sich so den Respekt. Das war Fußball wie er sein muss! Danach gab es für uns im Gästeblock eine einstündige Blocksperre. Da es leider keine Getränke oder Imbissbuden gab, verging diese sehr zögerlich und wurde nur am Ende noch mal etwas brenzlig, als ein junger BVB Fan mein Erfurt Tattoo erkannt haben möchte. Aber seine Ultra Kollegen waren nicht auf Stress aus und beäugten uns nur kritisch. Nach der Stunde ging es dann per Taxi zurück ins Hostel, in welchem die Eindrücke bei einigen (zu vielen) Bieren verarbeitet wurden. Am nächsten Tag ging es bei feinster 90er Jahre Musik (ein Dank an die italienischen Radiostationen!) auf dem Vesuv, welcher aber leider im Nebel versank. Ich muss sagen, die Stadt, die Fans und der Verein haben es mir sehr angetan, Neapel muss man mal erlebt haben (was selbst der gute alte Goethe schon sagte!), am besten bevor das Stadion San Paolo renoviert wird! (Ich weiß gerade gar nicht ob es dafür überhaupt Pläne gibt, aber notwendig wird es irgendwann.)

SS Lazio Rom Logo Wappen

SS Lazio Rom 1:0 Legia Warschau

19.09.2013 / Europa League / Gruppe J

1. Spieltag / Stadio Olimpico /

11.000 Zuschauer / Rom - Italien

Distanz: 1783 km

Legia Warszawa Logo Wappen Warschau

Legia Warszawa Ultras Pyro
Legia Gästeblock

Nach dem Abstieg vom Vesuv ging es direkt nach Rom. Was auffällt, die Autobahnen sind super in Schuss und auf der ganzen Reise, bei der wir etwas mehr als 1.000 km zurückgelegt haben, gab es keinen Stau und keine Baustellen. Aber ich will hier jetzt keine Maut Diskussion anfangen ;) In Rom haben wir direkt unser Hostel angesteuert, welches eine super geniale Lage, direkt am Vatikan hatte. Was wiederum ein Parkplatzproblem mit sich brachte. Eine Stunde und einige Umrundungen des Vatikans , bis wir unseren Fordi letztendlich in einer Garage untergebracht haben, bei welcher der Vermieter den Schlüssel des Fahrzeugs haben wollte. Verzweifelt wie wir waren sind wir das Geschäft eingegangen, mit dem Gedanken unser Auto nie wieder zu sehen. Vom Vatikan bis zum Stadion Olimpico muss man lediglich eine Straße Richtung Norden für wenige Kilometer folgen. Somit war die Anfahrt mit dem Bus sehr schnell und einfach. Rund um das Stadion war relativ wenig los. Einige Legia Fans mischten sich unter die Lazio Anhängern. Wir wollten auf der Tribuna Tevere (Gegengerade) Platz nehmen und steuerten den Eingang an. Doch blöderweise war weit und breit kein Ticketschalter zu finden. Ein Ordner sagte uns dann, dass wir zum Lazio Fanshop müssten und uns dort Tickets kaufen können. So mussten wir einen ordentlichen Sprint einlegen um zu den knapp 1km entfernten Lazio Store zu kommen. Dort, ganz im Behördenstil, musste man eine Nummer ziehen. Etwa 30 Leute standen bereits um den Shop und blickten gespannt auf die Nummernanzeige. Einige BVB Fans, die schon in Neapel gesichtet wurden waren ebenfalls dort gestrandet. Zum Glück ging das ganze Prozedere relativ schnell rum, rein in den Store, Ausweise vorlegen, der Verkäufer tippt die Namen ab und zack, hat man personalisierte Tickets. Mit einem Sprint ging es dann zurück zum Stadion und wir konnten noch rechtzeitig die Choreographien sehen. Der Legia Block war mit knapp 2.000 Leuten, alle in weißen Shirts gut gefüllt. Auf Lazio Seite war wie zu erwarten nicht ganz so viel los. Das hat mehrere Gründe. Erstens sind die Eintrittspreise (Gegengerade, auf welcher wir saßen 35 €) nicht gerade günstig, vor allem wenn ein paar Tage später das Derby ansteht, welches ebenfalls mit reichlich Top Zuschlägen versehen ist. Dann kommt noch hinzu, dass der Verein die undankbare Europa-League selber nicht so ernst sieht. Lazio hat seine „Stars“ wie u.a. Klose für das Derby geschont und auch bei den Fans zählt natürlich die knapp verpasste Champions League viel mehr als die undankbare Europa League.

 

Auf Legia Seite wurde erst eine Zettelchoreo mit Glitzer Folie in den Farben Rot-Weiß-Grün gezeigt, aus welcher dann eine schöne Pyroshow, bestehend aus unzähligen Bengalos hervorging. Im Lazio Block gab es viele große Schwenker sowie etwas Rauch und einige Böller zu bestaunen. Zum Spiel braucht man selber nicht viel sagen, Fußballerisch war das eine ganz grausame Kost, welche durch einen falschen Einwurf (in der Europa League!) gekrönt wurde. Dafür konnten die Kurven überzeugen. Legia wie man sie kennt sehr laut, aber auch melodisch bei einer Mitmachquote von 99,9 %. Lediglich ein gut gebauter Haufen, von Anfang an Oberkörperfrei hatte keine Lust auf Support. Einige Melodien der Polen gingen nicht mehr aus unseren Köpfen und verfolgten uns den restlichen Urlaub. Auch Lazio hat uns schon einen guten Einblick geben können, die Vorfreude auf das Derby steigt.

 

Ein paar Fakten zur Spielstätte: Die Arbeiten am Stadion begannen unter dem Namen Stadio dei Cipressi im Jahr 1927 und dienten als Teil des „Foro Mussolino“, von welchem immer noch ein Obelisk vor dem Stadion steht. Unvorstellbar ein ähnliches Denkmal in Deutschland vor dem Olympiastadion. Den Namen Stadio Olimpico trägt das weite Rund seit der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1960 in Rom und wurde danach mehrfach umgebaut, u.a. für die Weltmeisterschaft 1990 und zuletzt 2008. Seit 1953 ist es die Heimstätte der Hauptstadtclubs AS Rom und Lazio Rom und bietet nach den letzten Umbaumaßnahmen 72.700 Zuschauern Platz. Lediglich 11.000 kamen zum 1:0 Sieg der Römer. Nachdem Spiel ging es per Bus zurück Richtung Vatikan, vor welchem wir noch einige Getränke aus grünen und braunen Flaschen leerten sowie ein Taschendieb das Geschäft mit einem schlafenden (Touri?) vermasselten.

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf zum AS Roma Store um uns mit Derbytickets einzudecken. Es sollte erneut auf die Gegengerade gehen um beide Kurven bestens im Blick zu haben. Der Roma Store ist sehr gut eingerichtet, mit vielen alten Fotos, Trikots usw. Aber leider auch sehr auf (reiche) Touris ausgelegt. So kostet zum Beispiel ein T-Shirt 40 €, ein Badehandtuch knapp 60 € usw… Doch dann der Schock, 75 € für ein Derbyticket. Wir hatten mit 50 gerechnet. In Deutschland hätte ich so ein Spiel sofort boykottiert, aber wir waren in Rom, die Lazio Kurve hat Appetit auf mehr gemacht und so haben wir tief ins Portemonnaie gegriffen. Leicht angesäuert haben wir uns dann entschlossen, Rom frühzeitig zu verlassen und uns gleich Richtung Freitagabendspiel nach Latina aufzumachen.

Stadio Olimpico Rom Italy Europa League
US Latina Calcio Logo

US Latina 0:0 Virtus Lanciano

20.09.2013 / Serie B / Stadio Domenico Francioni / Latina - Italien / 4.672 Zuschauer

Distanz: 237 km

Virtus Lanciano Logo Calcio

Stadio Domenico Latina Sonnenuntergang Calcio Fußball

Latina liegt etwa 70 km südwestlich von Rom, direkt am Mittelmeer (genau gesagt am Tyrrhenischen Meer). Bei perfekten 30 Grad viel die Entscheidung nicht schwer, Rom in Richtung Meer zu verlassen. An einen wunderschönen verlassenen Strand konnten wir bis zum Abendspiel der Serie B noch ein paar Stunden entspannen und die 75 € verdauen. Wahrscheinlich sind 30 Grad Mitte September den Italienern schon zu kalt, denn die wenigen die dort unterwegs waren trugen teilweise Pullover. Latina ist die erste vollzogene Planstadt des Faschismus und somit erst 1932 geschaffen wurden. Heute beheimatet die Stadt fast 120.000 Menschen und entwickelt sich dank der langgezogenen Strände zum Badeort. Der Ortsansässige Fußballverein US Latina wurde 1945 gegründet und spielt erstmals in der Vereinsgeschichte in der Serie B. Das Stadion Domenico Francioni bietet 8.000 Zuschauern Platz, hat 4 Flutlichtmasten und eine überdachte Haupttribüne. In der Curva Nord stehen die Ultras von Latina. Das Spiel begann, wie alle weiteren Spiele der Serie A und B mit einer Schweigeminute. Leider habe ich bis jetzt nicht rausfinden können für wen diese gedacht war. Ansonsten legte die Curva Nord gleich gut los und überzeugte im typischen italienischen Stil. Die Gegengerade stimmte ebenfalls oft mit ein. Im Gästeblock war zunächst wenig los, doch nach etwa 25 Minuten füllte dieser sich mit etwa 150 Leuten aus dem 300 km entfernten Lanciano. Vor uns baute, bzw. versuchte es anfangs, ein Ultra einen Schwenker in den Vereinsfarben Latinas auf. Dieses Schauspiel dauerte bereits einige Minuten und dann unterband ein Ordner das schwenken. Immer mal „heimlich“ schwank er ihn dann doch, mehr schlecht als recht. Das Ganze war recht amüsant anzuschauen da er den Schwenker immer wieder schnell runter nahm wenn der Ordner einen Schritt auf ihn zu machte. Außerdem lief ständig ein alter Opa mit dem Namen Salvatore auf dem Trikot die Gegengerade auf und ab um die Leute einzuheizen. Fußballerisch war das wieder magere Kost aber das Stadion im Zusammenspiel mit einen schönen Sonnenuntergang und netten Heimfans, welche sich sehr für uns „Fremde“ interessierten (inkl. nette Gespräche) machte das Spiel auf dem Platz wieder wett. Dadurch hat uns Latina überzeugt und ich werde auf jeden Fall das Vereinsgeschehen dieses kleinen Clubs weiter verfolgen. Als Erinnerung gab es noch einen US Latina Seidenschal. Da wir den darauffolgenden Tag komplett in Pescara verbringen wollten, entschlossen wir uns vorab nach dem Spiel in Latina noch die 240 km quer durch Italien nach Pescara zu fahren. Marcel hatte das goldene Los gezogen und durfte die Fahrt auf sich nehmen. Zuvor wurde sich noch mit reichlich Bier eingedeckt und alle befürchteten eine anstrengende und langfristige Fahrt über die Italienischen Berge Richtung Adriaküste. Doch ein Radiosender mit feinster 90er Jahre Musik, viel Bier und 4 Fußballfans in einem Auto machten diese Fahrt unvergesslich. Lauthals singend sind wir von Dorf zu Dorf, von Berg zu Berg in feinster Auswärtsfahrt Manier getingelt mit dem legendären (Achtung Insider) GG Girone on Board. So ist diese 3 Stunden Fahrt wie im Fluge vergangen und wir sind nachts, etwa 1 Uhr in Pescara angekommen.

Ultras Latino Italia
Delfino Pescara Calcio Logo

Delfino Pescara 1936 0:1 AS Bari

21.09.2013 / Serie B / Stadio Adriatico / 9.676 Zuschauer / Pescara - Italien

Distanz: 312 km

AS Bari Logo

Stadio Adriatico Sonne Fußball

Unser Hostel befand sich mitten im Einkaufsviertel und war perfekt ausgestattet. Wir hatten eine Couch mit Fernseher welcher 4 Fußballkanäle bereithielt. Somit konnte der erste Abend bei ein paar Bieren in Ruhe zu Ende gebracht werden. Pescara ist eine Touristenstadt mit 120.000 Einwohnern, die Strände schmieden sich 20km an die Adria. Die 3 km zum Stadion legten wir dann auch passender weise am Strand zurück. Das Stadio Adriatico – Giovanni Cornacchia bietet Platz für 24.500 Zuschauer. Den Beinamen trägt das Stadion seit 2009 zu Ehren eines Leichtathleten aus Pescara. Gelegen ist es sehr Fanfreundlich nahe dem Stadtzentrum und nur 400 Meter entfernt vom Strand. Das Areal um das Stadion ist Zentrum des Nationalen Olympischen Komitees von Italien, was durch zahlreiche weitere Sportstätten deutlich wird. Das Stadion war auch Teil der olympischen Sommerspiele 1960, denn hier wurden 3 Spiele des Fußballturniers ausgetragen, außerdem wurde es als Ersatzsportstätte für die WM 90 bereitgehalten und beheimatete 2009 die Mittelmeerspiele, eine „Olympiade“ für Nationen rund um das Mittelmeer. Da wir mal wieder den falschen Eingang aufgesucht hatten, ging es wie in Neapel erneut durch die Ultras (Pescara Rangers 1976) der Heimmannschaft, welche in zahlreichen Kneipen in Stadionnähe sich auf das Spiel „vorbereiteten“. Aber alles war ganz easy und wir konnten unsere Plätze auf der gut gefüllten Gegengeraden einnehmen. Die Pescara Rangers 1976 haben übrigens eine Freundschaft zu Wolfsburger Ultras.

 

Doch dann wurden wir etwas enttäuscht, denn im Gästeblock fanden sich lediglich knapp 50 Fans vom AS Bari ein oder waren wir von Lanciano am Vorabend etwas verwöhnt? Bei „angenehmen“ 30 Grad auf der unüberdachten Tribüne schmorrten wir vor uns hin, während die Heimultras sich immer wieder zu kleineren Pyroaktionen sowie sehr lauten Böllern, welche sogar das Wasser aus einen Hürdenlauf Graben rausschossen, hinzogen liesen. Das Spektakel auf den Rängen war erneut interessanter als auf dem Platz. Bari konnte das Spiel durch einen Fernschuss für sich entscheiden, aber es wurde erneut deutlich dass im italienischen Fußball ein Umdenken einsetzen muss. Bei Führung des Gegners wird weiterhin mit Libero(!) gespielt und die Abwehr kommt beim eigenen Angriff nur ungern in Richtung Mittellinie. Kein Wunder dass wir bei den Spielen nur wenige Tore zu sehen bekommen haben.

 

Das Stadion in Pescara hat mir sehr gut gefallen, vor allem dadurch, dass ich mir das Teil in Erfurt gut vorstellen könnte. Es beinhaltet ebenfalls eine Laufbahn, dann 2 kleine Ränge, diese noch überdacht und wir hätten ein perfektes Stadion mit guter Sicht auf das Spielfeld am Steigerwald. Ein Strand und 30 Grad wären ja auch nicht so schlecht für Thüringen ;) Der Abend wurde dann auf der Partymeile mit reichlich Bier, Vodka und Sambucca über die Bühne gebracht.

Ultras Pescara Rangers Stadio Adriatico
AS Roma Logo

AS Roma 2:0 SS Lazio Rom

22.09.2013 / Serie A / Stadio Olimpico / 45.306 Zuschauer / Rom - Italien

Distanz: 0 km

SS Lazio Rom Logo Wappen

Curva Roma Ultras Derby

Mit leichtem Kater (verdammte 1 € Shots!) ging es dann erneut über die Berge Richtung Rom, das heiß erwartete Rom Derby stand bevor. Doch der Tag begann mit einem Ärgernis, denn in unserem Hostel gab es eine fehlerhafte Buchung und somit mussten wir uns die Zimmer mit Pakistanis, Indern und sonst wem, verteilt aufs Ganze Hostel teilen. Nach der gefühlten 100. Pizza und ein paar Bierchen zum Kontern ging es per U-Bahn direkt zum Stadio Olimpico. Das Heimrecht beim heutigen Hauptstadtderby hatte AS Rom. Das Stadionareal war weitläufig abgesperrt und es wurde eine strikte Fantrennung vollzogen. Vor dem Stadion standen auf einer Straße mindestens 1.000 Roller in reih und Glied. Ich frage mich, wie die ihren da wieder finden, sehen alle irgendwie gleich aus.

 

Am Curva Süd Eingang, der Heimstätte der Roma Ultras vorbei ging es erneut auf die 75 € teure Tribuna Tevere (man merkt, dass ich den hohen Preis noch nicht verarbeitet habe) und durch Zufall auf unseren angestammten Platz vom Europa League Spiel. Die Kurve der Roma Fans war nahezu voll und von außen schon gut hörbar. In der Lazio Kurve (Curva Nord) war dagegen gähnende Leere. Die Lazio Anhänger boykottieren die ersten 15 Minuten auf Grund der miserablen Transferpolitik ihres Vereins. Doch insgesamt enttäuscht das Derby im ersten Augenblick, da nur etwa 45.000 Zuschauer sich auf das Olympiagelände verirrten. Ich denke leere Plätze beim Derby waren vor den Geschehnissen von 2007 undenkbar. AS Rom zeigt zum Spielstart eine Choreo in Vereinsfarben, verfeinert mit viel Pyro. Nach 15 Minuten stürmen dann auch die Lazio Anhänger mit ordentlichen Explosionen und lauten Gesängen ihren Block. Endlich beginnt es heiß her zugehen. Auch wenn ich auf Grund der politischen extremen Einstellung einiger Lazio Anhänger der Curva Nord eher kritisch gegenüberstehe, überzeugen diese aber durch lauten Support. Leider kam trotz des positiven Spielverlaufs von der AS Rom Seite nur wenig. Der Torjubel zum 1:0 durch Balzaretti in der 63. Minute kam schon ordentlich an dem von Neapel ran. Aber insgesamt hätte ich mir beim Rom Derby einen heißeren Kampf auf den Tribünen gewünscht. Das Derby war für ein paar Minuten sogar so ruhig, dass vor uns ein paar Mädels Zigaretten mit ungewöhnlich anderen Düften rauchten. Irgendwie bezeichnend dafür, wie „chillig“ es bei einen so bekannten und früher gefährlichen Spiel zugeht.

 

Für mich aber unverständlich, bei allen Spielen, ob CL oder Serie B, gab es Alkoholverbot, aber beim Rom Derby gab es auf einmal Bier… Beachtlich war noch, wie unglaublich viele Spruchbänder auf beiden Seiten gezeigt wurden, ich denk an die 30 pro Seite dürfte hinkommen. Blöd nur, wenn man kein Wort versteht und Übersetzungsprogramm irgendein nicht nachvollziehbaren Müll ausspucken. Nachdem Spiel soll es wohl noch ein paar kleinere Rennereien gegeben haben, mit ein paar Verhaftungen, aber gesehen hat man davon nichts, trotz dass sich einige Fans nach dem Spiel in Bus und Bahn vermischten.

 

Die restlichen 2 Tage wurden dann mit Sightseeing in Rom verbracht, bevor es am Dienstagnachmittag zurück ins kalte Deutschland ging.

 


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