Immer wieder sonntags um 10:15 Uhr...

FK Viktoria Zizkov 3:0 MFK Vitkovice

28.08.2016 / 2. Liga / 4. Spieltag /

Viktoria Stadion / 1.386 Zuschauer /

Prag - Tschechien

Distanz: 139 km


Auf eins kann man wetten: Man trifft sonntags im Prager Stadtteil Žižkov früh um 10:15 Uhr ein paar Deutsche, welche ihren Kater auskurieren oder bereits in den Gegenangriff übergehen und kräftig kontern. So sollte es auch mir Ende August ergehen, nachdem wir unseren Kumpel Ecki zum Junggesellenabschied nach Prag entführten. Der Rest der Bande musste frühzeitig abreisen, ich dagegen wollte noch ein paar Stunden in der Stadt verweilen und mal wieder bei der Viktoria vorbei schauen. Und tatsächlich, neben mir katerten einige weitere deutsche im Viktoria Stadion vor sich hin. Seit 2012 schimpft sich das Stadion nach einem online Fußballportal „eFotbal Aréna“. Und warum trifft man bei der Viktoria nun ständig betrunkene deutsche? Das liegt daran, dass der Verein traditionell am Sonntag um 10:15 Uhr gegen den Ball tritt und das Stadion nur wenige hundert Meter vom Prager Hauptbahnhof entfernt liegt. Das führt auch dazu, dass sich ziemlich viele Familien mit Kindern hier ein Spiel anschauen, da es bei der Viktoria in der Regel sehr friedlich zugeht und nur gelegentlich etwas gepöbelt wird, was man seinen Kindern wohl zutrauen kann.

 

Ursprünglich wurde der Verein 1903 von Studenten im Stadteil Žižkov gegründet und errang 1928 den einzigen Meistertitel der Vereinsgeschichte. Anfang der 50er Jahre verschwand die Viktoria auf Grund von Fusionen ganz von der Bildfläche. Es gründete sich ein Nachfolgeklub namens Slavoj, welcher sich 1965 in Viktoria Žižkov umbenannte. Der Verein schmückt sich heute mit dem Gründungsjahr 1903, ob das so exakt ist sei mal dahingestellt. 1992 gelang dann der Sprung in die erste Liga und man konnte in den Jahren 1994 und 2001 den tschechischen Pokal holen. Danach begannen die turbulenten Jahre, auf Grund von Bestechungsskandalen stieg man ab und entwickelte sich zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen 1. und 2. Liga. Zur Krönung wurde dann 2015 die Lizenz auf Grund von finanziellen Problemen verweigert und man durfte in der 3. Liga antreten. Aktuell spielt die Viktoria wieder in der 2. Liga und festigt sich im Mittelfeld. Mit so bekannten Verein wie Baník Ostrava, Sigma Olomouc oder Opava dürfte ein baldiger Aufstieg nur schwer gelingen.

 

Gegner der Viktoria war heute der MFK Vítkovice aus der Osttschechischen Stadt Ostrava. MFK ist der Nachfolgeverein des 2012 auf Grund von Insolvenz aufgelösten FK Vítkovice. Der Verein erlebte seine Hochzeit Ende der 80er Jahre, als man überraschend Tschechoslowakischer Meister wurde und im Europapokal Paris St. Germain rauswarf. Ansonsten steht der Verein klar im Schatten des FC Baník Ostrava.

 

Auf dem Platz war in der ersten Halbzeit ähnlich wenig los wie mit meiner geistigen und körperlichen Verfassung. Als ich mich Mitte der zweiten Halbzeit dann doch zum Kontern überredet habe, ging es auch plötzlich auf dem Platz rund. Als ob die Mannschaften bemerkt haben, dass man zum Siegen auch mal aufs Tor schießen muss. Chancen gab es nun reichlich auf beiden Seiten, wobei die Žižkov in der 82. Minute das glücklichere Händchen hatte und in Führung gehen konnte. Danach brachen die Spieler von Vítkovice zusammen und Viktoria konnte in den letzten Minuten das Ergebnis auf 3:0 hochschrauben. Stimmungsmäßig waren wie schon bei meinem letzten Besuch die üblichen 5-10 Leute am Werk. Ich kann ein Besuch bei diesem Verein nur empfehlen. Man braucht keine aufwendigen Choreos oder Schlachtgesänge erwarten, aber einfach die Kulisse am Sonntagvormittag, gemütlich mit 1-2 Gambrinus abgammeln… da ist die Welt in Ordnung!


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