Eishockey in Russland

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HK Dynamo Moskau 2:0 Kunlun Red Star Peking

03.01.2020 / KHL / Spiel Nr. 514 

VTB-Arena

Zuschauer: 8.105

Moskau - Russland

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VTB Arena Moskau Moscow Russia
VTB-Arena in Moskau

Der Besuch eines Eishockeyspiels in Moskau dient als Grundlage für diesen Beitrag. Der schnellste Mannschaftssport der Welt ist die beliebteste Sportart im großen Russland. Neben dem modernen Eishockey, mit einer Hartgummischeibe auf relativ kleinem Feld, wird hier noch sehr viel Bandy gespielt. Der Vorläufer des Eishockeys. Die Spielweise ähnelt stark dem des Fußballs: 45 Minuten pro Halbzeit, 11 gegen 11, Abseits, Ecke und kein Spiel hinter dem Tor. Weiterhin wird auch die Spielzeit nicht ständig gestoppt, achja, der Ball ist rund und das Feld ist so groß wie beim Fußball. Die einzigen Unterschiede sind das Eis und der Schläger.

 

Aber um Geschichte von interessanten Sportarten soll es hier gar nicht gehen, denn Eishockey in der russischen Gegenwart soll heute Vorrang haben. Zu Beginn muss ich zugeben: Ich habe nicht viel Ahnung vom Eishockey. Ich gehe zwar mehrmals im Jahr zu Spielen der Black Dragons Erfurt, aber als Kenner des Sports möchte ich mich ungern bezeichnen. Dennoch macht Sport schauen immer Spaß und das bot sich bei einem Besuch in Moskau an. Grund genug, die russische Eishockeyliga genauer zu betrachten. 

Die Kontinentale Hockey Liga (KHL)

Kontinental Hockey League Logo

Hierbei handelt es sich um die höchste Spielklasse in Russland und besteht in dieser Form seit der Saison 2008/09 und löste damit die rein russische Superliga ab. Seit der Gründung spielen Teams aus Russland, Finnland, Lettland, Kasachstan, Weißrussland und seit neustem China mit. Die Teilnehmer rekrutierten sich aber auch aus der Slowakei, Ukraine, Tschechien, Kroatien und selbst die Eisbären aus Berlin waren im Gespräch. Aufgeteilt ist die Liga in eine West- und Ost Konferenz, welche sich mit jeweils zwei Divisionen zu je sieben Mannschaften zusammensetzen. Der Sieger einer Saison erhält den Gagarin-Pokal, benannt nach dem sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin.

 

Der Spielmodus ist aus meiner Sicht etwas verwirrend. Insgesamt beschreitet eine Mannschaft 56 Saisonspiele, ohne Beachtung der Play-Offs. Zu Beginn werden 24 Spiele gegen die anderen sechs Mannschaften der Division bestritten. Dann folgen 14 Spiele gegen die andere Division aus derselben Konferenz. Es folgen weitere 14 Spiele gegen die Teams aus der anderen Konferenz und nochmals vier Spiele gegen Mannschaften aus beiden Konferenzen. Um von den Jungs noch mehr abzufordern, werden die Play-Offs im Best-of-Seven Modus bestritten. Im Gegenzug können die Hallen öfter gefüllt werden und die TV-Einnahmen vervielfacht werden. Dennoch mussten aus finanziellen Gründen schon mehrere Teams die Segel streichen, zuletzt Slovan Bratislava.

 

Als größte Katastrophe der russischen Hockeygeschichte gilt die Saison 2011/12. Die Mannschaft von Lokomotiv Jaroslaw verunglückte auf dem Weg zum ersten Saisonspiel in Minsk bei einem Flugzeugabsturz. Zu Ehren der Mannschaft wurde der Eröffnungspokal der Liga in "Lokomotiv-Pokal" umbenannt.

Dynamo Moskau vs. Kunlun Red Star Beijing

Dynamo Moscow icehockey Eishockey Moskau

Als die Reise nach Russland konkreter wurde, checkte ich erstmal den sportlichen Kalender. Ein Heimspiel des Meisters ZSKA und eines der besten Teams SKA Sankt Petersburg war leider terminlich nicht drin. Neben Dynamo gegen Peking stand noch Spartak gegen den Moskauer Vorstadtclub HK Witjas zur Auswahl. Beim letzteren Spiel waren die Karten aber frühzeitig vergriffen, wodurch die Entscheidung ziemlich leicht viel. Eintrittskarten für die VTB-Arena konnten für ca. 15 € online beschafft werden. Auch wenn die Halle äußerlich einem typischen "Arena-Neubau" entspricht, ist dieses Gebäude dennoch besonders. In einer Bauhülle befindet sich ein Fußballstadion mit einer Kapazität von 26.000 Zuschauern, sowie einer Mehrzweckhalle. Diese wird für Eishockey, Basketball, Boxen und Konzerte genutzt.

 

Die Eishockeyabteilung von Dynamo Moskau hat eine bewegte Geschichte. 1946 gegründet, konnte man bereits ein Jahr später die sowjetische Meisterschaft gewinnen. Dies gelang noch 1954, 1990 und 1991, sowie dreimal nach dem Zerfall der Sowjetunion. Bis 1991 war Dynamo dem KGB untergeordnet, welcher den Club großzügig finanziell unterstützte. Der Umstieg in die Privatwirtschaft ging bis 2010 relativ gut, dennoch stieg die Schuldenlast. Durch eine Fusion mit HK Balaschicha konnte eine Insolvenz abgewendet werden. Für zwei Jahre spielte man unter dem Namen OHK Dynamo und gewann sogar den Gagarin-Pokal. 2012 kehrte man zum alten Namen zurück und führte auch die Traditionslinie weiter.

 

Die Geschichte von den Roten Sternen aus Peking ist nicht ganz so ereignisreich. China ist der Zukunftsmarkt für den internationalen Sport. Nicht nur Fußballvereine investieren in das Land der aufgehenden Sonne, auch die Eishockeybranche sieht potential. Vor allem in Vorbereitung auf die olympischen Spiele 2022 in Peking wird kräftig in den Nachwuchs investiert, damit eine Teilnahme gerechtfertigt ist und der fixe Startplatz nicht zum Flop wird. So beschlossen höchste politische Ebenen den Einstieg von Kunlun Red Star Peking in eine der spielstärksten Ligen der Welt. Wladimir Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping unterzeichneten persönlich diese Vereinbarung. Die genauen Absichten sind nicht an die Öffentlichkeit durchgedrungen. Meine persönliche Vermutung ist, dass die KHL eine ordentliche Einstiegsgebühr von China erhalten hat und dort das Profiteam für den Sport werben soll. Somit geht die Geschichte von Kunlun auf das Jahr 2016 zurück. Sportlich hält das Team in der KHL zwar mit, was vor allem an den vielen Kanadiern, Tschechen und US-Spielern liegt. Die Akzeptanz der Zuschauer wurde noch nicht gewonnen. Nur selten pilgern mehr als 2.600 Zuschauer zu den Heimspielen.

Etwa 3,5-mal so viele zogen heute in den Nordwesten der Millionenstadt um ihr Team zu sehen. Interessant war, dass fast alle erst in unmittelbarer Nähe zum Stadion ihre Fanutensilien aus der Tasche zogen. Eine Vermutung ist, dass Farbe für einen der Vereine zu bekennen doch gefährlich sein könnte in Moskau. Dank der gleichnamigen Metrostation "Dynamo" kann man das Stadion und die Halle gar nicht verfehlen. Die An- und Abreise funktioniert durch das gut getaktete Moskauer Metronetz sehr effizient.

 

Nach einer strengen Körperkontrolle durfte man per Rolltreppe mehrere Etagen in der seit 2019 genutzten VTB-Arena nach oben fahren. Die günstigeren Plätze im Oberrang empfand ich als angenehm, da man das ganze Oval auf sich wirken lassen konnte. In Sachen Stimmung bzw. musikalischer Show ähnelte es sehr stark einem NHL-Spiel. Die Amerikanisierung mit Cheerleadern, Liveband und Kiss-Cam war schon enorm. Dennoch versucht eine kleine Gruppe Dynamo-Ultras dagegen anzukämpfen und supportet während die laute Musik nicht alles übertünscht. Das finde ich etwas traurig, dass die russische Liga nicht versucht etwas Eigenes zu schaffen, sondern diesen Showkram 1:1 übernimmt. Das spiegelt sich auch im Catering wieder: Hot-Dogs, Chicken-Nuggets, Popcorn und alkoholfreies Bier.

 

Das Spiel selber hatte ein hohes Niveau und konnte von Moskau 2:0 gewonnen werden. Die Tore fielen im zweiten und dritten Drittel. Das 1:0 schoss das Eigengewächs Alexeyev, das 2:0 der Finne Pulkkinen. 8105 Zuschauer, davon etwa 5 mit Kunlun Fanutensilien sahen den Sieg von Dynamo. 


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