Stadion pod Vrmcem in Kotor

FK Bokelj Kotor 2:2 FK Budućnost

10.09.2016 / Prva Liga / 6. Spieltag Stadion pod Vrmcem

Zuschauer: 500

Kotor - Montenegro


Kotor Stadion Fußball
Haupteingang der "Haupttribüne"

Bevor das Abenteuer „Erasmus“ beginnt, sollte es noch einmal mit meiner Freundin gemeinsam in den Urlaub gehen. Fur 10 Tage hies uns Montenegro mehr als herzlich willkommen. Land ist einfach nur empfehlenswert. Hier kommen Wanderfreunde, Naturliebhaber und Sportler, aber auch das Partyvolk sowie die Strandgammler voll auf ihre Kosten. Natürlich darf bei so einer Reise auch der Fußball nicht zu kurz kommen und es sollte mein erstes Spiel im ehemaligen Jugoslawien stattfinden. Für diese Premiere durfte die wunderbare Kulisse der Bucht von Kotor dienen und mit dem FK Budućnost als Gastmannschaft war auch der bekannteste Vertreter des montenegrinischen Fußballs auf dem Platz. Am Samstag, den 10. September 2016 ging es relativ kurzfristig auf die 20 km lange Fahrt von Budva nach Kotor. Das Stadion "pod Vrmcem" liegt nur 100 m von der Südspitze der vor allem bei Touristen beliebten Bucht von Kotor entfernt. Kleiner Tipp: Das Auto hier kostenlos parken und in die Altstadt laufen, denn dort zahlt man schnell mal 10 € Parkgebühr pro Stunde. Das  Fassungsvermögen beträgt offiziell 5.000 Zuschauer, davon war heute 1/10 ausgelastet und zusätzlich etwa 50 Leute auf der Mauer, die sich die 2 Eintritt sparten. Der FK Bokelj wurde 1922 gegründet und spielte in der Zeit Jugoslawiens keine große Rolle. Erst mit der Unabhängigkeit Montenegros 2006 ging es aufwärts und man qualifizierte sich bereits nach der ersten Spielzeit für die erste Liga des noch jungen Staates. Im Sommer spielte Bokelj auch um die Qualifikation zur Europa League, scheiterte aber deutlich an Novi Sad aus der Vojvodina. Als beliebtester Verein des Landes zählt der FK Budućnost (dt. Zukunft) aus der Hauptstadt Podgorica, welche den älteren unter uns noch als Titograd bekannt sein könnte. 1925 gegründet, war man in Jugoslawien ständiger Vertreter der ersten Liga und schaffte es auch 2 x in das Endspiel des Pokals, unterlag dort aber Dinamo Zagreb und Hajduk Split. Ultras sind in Montenegro leider Mangelware, als größte Gruppe des Landes dürften die Varvari (dt. Barbaren) von Budućnost zählen, welche seit 1987 unter diesem Namen auftreten und gute Kontakte zu den Ultras von Radnički Niš aus Serbien pflegen. Dass das Referendum zur Unabhängigkeit 2006 mit nur 55,49 % „erfolgreich“ war, spiegelt sich auch in er Gruppe der Varvari wider. So fährt ein Teil der Jungs zur serbischen Nationalmannschaft, der andere Teil unterstützt Montenegro (oder scheißt auf die Nationalmannschaft). Laut eines Beitrages im blauen Brief der Schalker spaltet das aber die Szene nicht, Politik soll keine Rolle spielen. Ernstzunehmende Gegner auf der Tribüne dürften lediglich die Mannschaften aus der Bierstadt Nikšić (Vojvodi) und die Street Boys von Berane liefern. Außerhalb des Stadions gibt es auch immer wieder von Roter Stern Belgrad (Delije). Aufgrund der Kurzfristigkeit kamen wir erst 5 Minuten vor Spielbeginn am Stadion an, aber das ganze sorgte im Umfeld für keinerlei Hektik. Die Varvari waren auch erst angekommen und tranken erstmal gemütlich aus, sowie verteilten die mitgebrachten Böller vor den Augen der Polizei unter einander. So flogen dann auch alle paar Minuten Böller aufs Spielfeld, ohne jeglichen Spielbezug und wirklich niemand interessierte es. Von den 500 Zuschauern waren etwa 100 aus Podgorica angereist, welche mit melodischen und lauten Gesängen auf sich aufmerksam machten, dazu gelegentlich Rauch und Fackeln. Auf der Heimseite gab es keinen Support, nicht einmal Fahnen. Machten doch sonst die Graffitis im Umfeld des Stadions der Hauptgruppe Beštije einiges her. Aber genauere Informationen über ein mögliches Verbot, Auflösung oder Boykott konnten nicht gefunden werden. Vermutlich liegt der Schwerpunkt beim    Wasserball,    dort    erscheinen    die    Ultras    regelmäßig    in    größerer    Anzahl. Das Spiel war recht amüsant, Bokelj ging nach der Halbzeitpause mit 2 Toren in Führung, was dann auch die Heimseite zu einigen Provokationen Richtung Gästeblock veranlasste. Doch die Hauptstadtkicker kamen in der 80. Minute zum Anschlusstreffer und dann wurde es richtig hektisch auf dem Platz. Als dann in der 90. Minute der Pfiff zum Elfmeter ertönte, rasteten die Gästefans noch einmal richtig aus und es kam zum verdienten Last Minute Ausgleich. Nach dem Spiel erwartete uns bereits ein älterer Mann an unserem Auto. Dachten wir mangels gemeinsamer  Sprachkenntnisse  anfangs  noch,  dass  wir  ausversehen  auf  seinen Parkplatz standen, stellte sich dann raus, dass er vor unserem Auto ein Schlüssel gefunden hat und tatsächlich, es war unserer vom Ferienhaus. Er ging mit uns zur Polizei, welche diesen aufbewahrte. Einfach richtig freundliche Leute in diesem kleinen Land! Abgesehen vom Fußball stand noch Rafting in der Tara Schlucht, sowie zahlreiche Besichtigungen der Küstenstädte (u.a. Stari Bar, Ulcinj, Petrovac, …) auf dem Programm. Mein letzter Strandurlaub liegt etwa sieben Jahre zurück und falls es bald mal wieder soweit sein sollte, steht Montenegro auf jeden Fall hoch im Kurs. 

Bokelj Kotor Stadion
Bokelj Kotor Stadion
Bokelj Kotor Stadion
Bokelj Kotor Stadion
Bokelj Kotor Stadion

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