Stadion Aldo Drosina

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NK Istra 1961 0:2 HNK Gorica

02.09.2018 / 1. HNL / 6. Spieltag Stadion Aldo Drosina

Zuschauer: 1.351

Pula - Kroatien

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Stadion Istra Pula Kroatien Fußball Aldo Drosina Flutlicht

 

Das diesjährige Ziel unseres "Haupt-"urlaubs lautete Istrien, genau genommen Medulin an der Südspitze der Halbinsel. Wie immer darf natürlich der Besuch eines Spiels nicht fehlen und die Spieltagsterminierungsfee (was für ein Wort), meinte es nicht ganz so gut mit mir, da der Gegner leider keine Fanszene parat hält. Aber immerhin konnte das in die Jahre gekommene Stadion Aldo Drosina bei Sonnenuntergang und Flutlicht besucht werden, welches nach einem ehemaligen Trainer benannt ist.

 

Die Fußballgeschichte in Pula ist etwas verwirrend. Denn es gibt NK Istra 1961, NK Istra Pula und NK Uljanik. Drei unterschiedliche, zum Teil rivalisierende,  Vereine welche aber dennoch irgendwie auch zusammengehören. Ich versuche mal etwas Ordnung reinzubekommen: 1961 wurden die Clubs Uljanik und NK Pula zu NK Istra Pula vereint. NK Uljanik ist die Werkself der großen Werft (dazu später mehr). Diese Mannschaft gründete sich 1964 neu (warum ist nicht überliefert). NK Istra Pula spielte relativ Erfolgreich Fußball, stieg 1997 dennoch ab. Die Chance nutzte Uljanik und stieg wenig später in die erste Liga auf. Jetzt begannen die Jahre der Umbenennung: Von Uljanik zu NK Pula 1856, dann in NK Pula Staro Cesko, dann nur in NK Pula und letztendlich in NK Pula 1961. 1961? Der Verein wurde eigentlich 64 gegründet, aber auf Druck der führenden Fangruppierung wurde sich auf diesen Namen, sowie die Stadtfarben Gelb-Grün geeinigt. Jetzt findet sich in der ersten Liga NK Istra 1961, in der dritten Liga NK Uljanik und in der fünften NK Istra wieder. Wenn man es genau nimmt, müssten die Fans sich auf den Verein und dessen frühere Erfolge in der fünften Liga berufen. Aber Schwamm drüber…

 

Die Werft Uljanik hatte ich bereits angesprochen, denn diese sollte am heutigen Spieltag im Mittelpunkt stehen. Wer die istrische Hauptstadt Pula besucht, wird als erstes die sieben "leuchtenden Giganten", also die Kräne der Werft, erblicken. Seit 1856 besteht diese Werft und ist neben dem Tourismus der Arbeitgeber schlechthin für die Region. Die Anlage ist daher auch der Stolz von Istrien, vor allem auf Grund der langen Tradition. Aber die Werft ist alt und benötigt dringend frisches Geld. Durch Misswirtschaft ist sie auch noch stark verschuldet und steht kurz vor dem Konkurs. Die letzte Hoffnung ist wie so oft China. Allgemein breiten sich die Chinesen auf dem Balkan ordentlich aus. Sie bauen die längste Brücke Kroatiens, eine Autobahn in Serbien und haben den Hafen von Piräus übernommen. Da die EU, sowie die kroatische Regierung nicht sonderlich erfreut über das chinesische Investment sind und dort lieber eine kleine Luxusjachtwerft, sowie teure Wohnungen bauen würde, befinden sich Uljanik im Überlebenskampf gegen die eigene Regierung.

Die Ultras und der Verein wollten den Arbeitern ihre Solidarität ausdrücken und luden alle Angestellten mit ihren Familien zum heutigen Spiel ein. Auf Plakaten wünschte man viel Kraft und Durchhaltevermögen für den langen Kampf gegen die Arbeits- und Perspektivlosigkeit.

Stadion Istra Pula Kroatien Fußball Aldo Drosina Flutlicht
Stadion Istra Pula Kroatien Fußball Aldo Drosina Flutlicht

 

Kommen wir zum Spieltag: Medulin liegt nur weniger als 20 km von Pula entfernt und da meine Freundin gerne eines ihrer Büchern durchschmökern wollte, konnte ich mit ruhigen Gewissen die kurze Reise auf mich nehmen. Bei milden Temperaturen und der untergehenden Sonne wuchs die Vorfreude auf das Spiel. Doch leider wurde dies durch eine katastrophale Kartenvergabe gedämmt. Lange Schlangen am Schalter sieht man im kroatischen Fußball eher selten, daher erhoffte ich mir ein volles Stadion. Insgesamt stand ich 45 min für eine Karte an und verpasste wie so viele andere auch die erste viertel Stunde des Spiels. Irgendwie unverständlich, wenn man eine ganze Werft zum Spiel einlädt, nur zwei Kartenhäuschen aufzumachen. Somit bewahrheitete sich dann auch meine Vermutung, dass hier heute keine volle Hütte zu erwarten ist. Nur 1351 Zuschauer verirrten sich in den Süden Pulas. Und diese sahen dann auch noch ein unterirdisches Spiel, welches die Gäste aus einem Zagreber Vorort verdient für sich entschieden haben. HNK Gorica entstand 2009 aus einem Zusammenschluss von NK Radnik und Polet Busevec. Vor allem der erstgenannte Verein blickt auf eine lange Fußballtradition zurück, musste sich aber dennoch einen finanziellen Bankrott geschlagen geben. Eine organisierte Fanszene sucht man vergebens, wobei man anmerken muss, dass sich die Zuschauerzahlen mit dem Aufstieg in die erste Liga vervierfacht haben. Vielleicht wird’s ja noch was.

 

In Pula treten die Demoni 1992 als organisierte Gruppierung auf. DP 92 ist keine riesige Gruppe, tritt aber dennoch regelmäßig mit Choreographien und Pyrotechnik in Erscheinung. Ungewöhnlich war mitte der 90er Jahre ein Vereinswechsel der kompletten Fanszene. Mit NK Istra Pula konnte man sich nicht mehr identifizieren und wechselte zum damaligen Drittligisten Pula 1865. Dort hatte man großen Einfluss auf das Vereinsgeschehen und konnte die Geschicke mit lenken.  Trotz, dass man heute jede Saison gegen den Abstieg spielt, stellen die Demoni jedes Spiel einen harten Kern an Leuten und unterstützen voller Stolz ihren Verein und die Stadt.

 

Neben mir waren natürlich auch ein paar andere Touristen im Stadion. Ich kann aber nicht nachvollziehen, warum man bei so einem Spiel mit dem Trikot oder Polo seines Heimatvereins auftauchen muss. Für mich eine Sache des Anstands und Respekts, dass auf der Tribüne nicht irgendwelche Vereinswappen prangern.

Letztendlich war es kein fußballerischer Leckerbissen, aber auf Grund des schönen Stadions, der Kulisse dahinter und den fanatischen Demoni ein lohnenswerter Ausflug.

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