Stadion Gradski vrt in Osijek

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NK Osijek 1:1 NK Inter Zaprešić

01.10.2016 / 1. HNL / 11. Spieltag Stadion Gradski vrt

Zuschauer: 2.336

Osijek - Kroatien

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Stadion Osijek gradski vrt Kroatien Fußball Kohorta
Stadion Osijek gradski vrt Kroatien Fußball Kohorta

 

Endlich geht es los, das Abenteuer Auslandssemester. Die erste Woche begleitete mich mein Cousin, da er kurzfristig Urlaub hatte. So konnten wir zügig zusammen die 1.180 km lange Strecke über Regensburg, Graz, Maribor und Zagreb bewältigen. Doch dann der erste Rückschlag. Das zuvor über Internet angefragte Zimmer in einem Wohnhaus für 10 Studenten war nicht frei und dazu in einem desolaten Zustand. Schnell das Internet befragt, wo man kurzfristig unterkommen kann. Osijek zählt nicht zu den Touristenhochburgen von Kroatien, aber die Hotel-/Unterkunftspreise sind dennoch ziemlich hoch. Am besten war noch ein Angebot, welches sich vor Ort als ein umgebauter Hühnerstall herausstellte und mich ganze 150 € im Monat kosten sollte. Mein Cousin kam derweil in einem Airbnb Apartment unter, in welchem ich durch viel Verhandlungsgeschick (und Trinkfestigkeit) einige Tage später endgültig einziehen durfte. Die richtige Abwechslung zur Wohnungssuche bot da natürlich das erste Spiel in der neuen Heimat, dazu noch unter Flutlicht. Mit dem Taxi ging es zum am südlichen Stadtrand gelegene Gradski vrt (Stadion städtischer Garten). Hier gab es schon die erste lustige Anekdote, da im Taxi bereits eine junge Frau saß. Der Fahrer konnte recht gut Deutsch und sagte uns, dass sie eine Spielerfrau ist. Mal wieder ein Umstand, der in unseren Gefilden unvorstellbar ist. Am Stadion angekommen ernteten wir erstmal sehr kritische Blicke der dortigen Ordnungshüter. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass in Kroatien der öffentliche Alkoholkonsum verboten ist, da passen zwei deutsche mit Pivo in der Hand natürlich nicht so gut ins Bild. Es soll auch empfindliche Strafen dafür geben (bis zu 200 Euro), aber die Geschichte ging für uns glimpflich aus. Zu Stadt, Verein und Ultragruppierung wird es gesonderte Texte geben, deswegen verzichte ich in diesem Beitrag auf eine erneute Erwähnung.

 

 

Dem NK Osijek stand heute Inter aus Zaprešić gegenüber. Zaprešić ist eine Kleinstadt, westlich gelegen im Umland von Zagreb. Die Einwohnerzahl beträgt fast 20.000 und zu sehen gibt’s dort nicht wirklich viel. Aufgrund der guten Zugverbindung nach Zagreb dürften dort viele Arbeiter aus der Hauptstadt ihre Ruhe genießen. Der Nogometni Klub Inter Zaprešić wurde 1929 als NK Sava gegründet. Der Klub wird gerne als „die Keramikmacher“ bezeichnet, da er die meiste Zeit von einer Keramikfirma (Jugokeramika) gesponsert wurde. Nach der kroatischen Unabhängigkeit wurde die Fabrik und der Verein in „Inker“ umbenannt. Der größte Cluberfolg war der Gewinn des kroatischen Cups 1992, ein Turnier welches während des Krieges ausgespielt wurde. Offiziell qualifizierten sie sich dadurch für das internationale Geschäft, aber die UEFA erlaubte eine Teilnahme aufgrund des Krieges nicht. Dennoch hält Zaprešić den Titel, als erste kroatische Mannschaft ein internationales Spiel ausgetragen zu haben, ein Friendly gegen Sturm Graz. Die Nähe zu Zagreb mit dem übermächtigen Klub Dinamo hat für Zaprešić Vor- und Nachteile. So konnte sich nie eine bedeutende Fanszene aufbauen, auch wenn es mal eine kleine Gruppe namens Divlje Svinje (Wild Pigs) gab, zieht es dennoch den Großteil der Fußballinteressierten zu Dinamo. Dafür hat Inter aber auch den Großteil seines Erfolges Dinamo zu verdanken, denn viele Spieler werden aufgrund der räumlichen Nähe zu Inter ausgeliehen, darunter auch so bekannte wie Eduardo oder Luka Modrić, was von gegnerischen Fans auf nicht viel Gegenliebe stößt. Zurück zum heutigen Spiel. Der erste Besuch des Gradski vrt soll mir noch lange in Erinnerung bleiben. Die Flutlichtmasten waren schon vom weiten zu sehen und die Vorfreude auf Fußball stieg. Platz genommen haben wir auf der gewaltigen Haupttribüne, auf welcher der Oberrang leider (vielleicht auf Grundlage des baulichen Zustands zum Glück) gesperrt ist. Auf der Gegengerade ist auf Höhe der Mittellinie die Kohorta Osijek angesiedelt und diese erwischten einen Sahne Tag. Etwa 150 Mann fanden sich direkt um die Zaunfahne ein und erwiesen trotz trostlosen Spielverlaufs eine sehr gute Mitmachquote. Die restliche Gegengerade war auch ganz gut gefüllt und konnte einige male mit einbezogen werden. Gästefans waren keine anwesend. Osijek ging durch einen Elfmeter in der 25. Minute in Führung, Inter glich aber mit dem Halbzeitpfiff zum 1:1 Endstand aus.

Stadion Osijek gradski vrt Kroatien Fußball Kohorta
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Das eigentliche Highlight folgte aber nach dem Spiel. Zu Fuß sollte es Richtung Altstadt (Tvrđa) gehen. Auf halbem Weg versuchte uns eine Gruppe anzuquatschen, da wir vermutlich schnell als auswärtige aufgefallen sind. Rein äußerlich gehörten die Jungs zu der Sparte, mit denen uns Mutti früher verboten hat zuspielen. Aber okay, ein Ignorieren war nicht drin, wegrennen in einer fremden Stadt auch aussichtslos, also einfach umdrehen und freundlich fragen was los ist… Diese Frage bescherte uns mächtig Kopfschmerzen… So, jetzt hast du hoffentlich kurz gedacht, dass es zu einer handfesten Rauferei kam, nein, im Gegenteil. Wir wurden gefragt, warum wir hier sind und zugleich zum Bier trinken eingeladen. Etwas misstrauisch folgten wir den Jungs durch dunkle Seitenstraßen, aber die Gespräche machten aus Misstrauen schnell Vorfreude auf einen ereignisreichen Abend. Ein Teil der Gruppe besaß einen Späti, in welchem man aber auch wunderbar verweilen konnte. Dort treffen sich nach dem Spiel die alte  Garde

 

der Kohorta und wir nun mittendrin. Bier und hausgemachter Slivovica machte schnell die Runde, außerdem wurde man noch zu Pizza eingeladen. Ein herrlicher Beginn und wunderbare Kontakte wurden am ersten Wochenende hergestellt. Die alten stritten so herrlich, mit ihrer ausschweifenden Mentalität über das aus ihrer Sicht schlechte Ergebnis, andere versuchten eifrig für uns zu übersetzen, aber allein das Zuhören war wunderbar. Ein weiteres Highlight überraschte uns zur späteren Stunde, als auf einmal mehrere Männer und Frauen im typischen adriatischen Folkloreoutfit im Späti um Bier baten. Wie sich herausstellte, waren es die Gewinner eines Folklore Gesangwettbewerbs, welcher am selben Abend stattfand und die Kombo noch ausschweifend feiern wollten. Auch sie wurden gleich zu Wein und Rakija eingeladen und nun lagen sich alle in den Arm und schmetterten einen kroatischen Volkssong nach dem anderen in die Runde. Ein wahrlich perfekter Einstand fur mich, diese unglaubliche Gastfreundlichkeit, dass alles hat die Probleme mit der Wohnungssuche verdrängt.

Stadion Osijek gradski vrt Kroatien Fußball Kohorta
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