Adria Derby in Split

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Hajduk Split 0:2 HNK Rijeka

17.09.2017 / 1. HNL / 09. Spieltag / Stadion Poljud / Zuschauer 18.108 
Split - Kroatien

Distanz: 416 km

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Wer bis hier hin aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass die Adria-Küstenregion (außer Rijeka) bei meinem Auslandssemester außer Acht gelassen wurde. Der einfache Grund dafür ist, dass ich diese im Rahmen eines Urlaubs erkunden wollte und den Vorrang den weniger touristisch erkundeten Gebieten geben wollte. Ausgangspunkt unserer Erkundungstour war die Insel Čiovo in direkter Nachbarschaft zur Unesco geschützten Altstadt von Trogir. Mit dem Derbysieg im Gepäck verflogen die 1200 km wie im Fluge. Nein, das war gelogen. Der Sieg beflügelte zwar, aber die Strecke war elendig lang. Über den Urlaub mit meiner Herzensdame möchte ich jetzt nicht allzu viele Worte verlieren, außer dass es eine sehr sehenswerte Region ist und ich empfehle erst ab Mitte September dort aufzuschlagen, denn selbst jetzt waren Orte wie Trogir und Split total überlaufen. Nicht vorzustellen wie das zur Hochsaison hier ausschaut. Eigentlich wollten wir vor dem Spiel auch die dalmatinische Metropole anschauen, aber die Gassen waren überschwemmt mit Kreuzfahrttouristen. So machten wir uns frühzeitig auf dem Weg Richtung Poljud Stadion, im gleichnamigen Stadtteil. Den Beinamen Poljudska Ijepotica (Die Schönheit von Poljud) trägt dieses Bauwerk nicht ohne Grund. Die Dachkonstruktion in Form einer Muschel, die geschwungenen Tribünen und die riesige Historie lassen den sonst eher grauen Stadtteil erstrahlen. Seit 2015 wird es sogar im kroatischen Register als Kulturgut aufgeführt, was auch weitreichende Folgen zur Erhaltung hat. Diese ist auch zwingend notwendig, denn der Zahn der Zeit nagt am 1979 eröffneten Stadion unaufhaltsam. Grund für den Neubau war damals die 8. Auflage der Mittelmeerspiele. Im Gegensatz zu manchen anderen besuchten Spielen war hier heute sehr frühzeitig klar, dass in dieser Stadt Fußball gespielt wird. Alle Cafés und Bars waren voll mit Hajduk Fans. Auch Ultras von Górnik Zabrze konnten gesichtet werden. Okay..., die Module sind auch kaum zu übersehen. In Sachen (ausländische) Freundschaften stellt die Torcida damit auch eine Ausnahme in Kroatien dar. Verbindungen gibt es zu Torcida Zabrze, No Name Boys Lissabon, Magic Fans St. Etienne sowie zu Tornado Zadar. In 67 Jahren Bestehen der Gruppe ist das vielleicht auch gar nicht so ungewöhnlich. Zum Leidwesen der Hoppinggemeinde und zur Freude aller Beteiligten kam es weit vor dem Spiel zu einem heftigen Zusammenstoß beider Fanlager. Wählte die Armada aus Rijeka beim letzten aufeinandertreffen im März noch die Route per Schiff (1500 Fans charterten eine Fähre), wählten sie diesmal die klassische Variante via Autobahn. Die karge Landschaft Dalmatiens nutzte die Toricda schon häufig für Angriffe und erneut trafen sie die anreisenden Gästefans auf den falschen Fuß. Durch ein Ablenkungsmanöver konnten sie den Korso ausbremsen und gingen dann sofort in den Kampf über. Dieser hatte leider zur Folge, dass 100 Rijeka Fans verhaftet wurden und der Rest wieder nach Hause geschickt wurde. Lediglich um die 50 Fans haben es nach Split geschafft. Es ist aber erstaunlich, welche Kapazitäten die Torcida haben muss. Denn abgesehen von dem Kampf galt es auch noch eine große Choreografie vorzubereiten und weitere zahlreiche sportliche Jungs lümmelten in den Kneipen der Stadt rum. In der Nordkurve präsentierten die Fans ihre zahlreichen gewonnenen Pokale mit dem Spruchband: Goldene Vergangenheit – glänzende Zukunft. Zwar konnte die komplette Kurve nicht immer voll einbezogen werden, aber in Sachen Lautstärke und Melodien war das eine starke Nummer. Vor allem, wenn die kompletten 18.108 Zuschauer ihren Mund aufgemacht hatten, herrschte eine wirklich gute Kulisse im weiten Rund. Besonders hat mir ein Spruchband gefallen: „Wir werden das Beste von uns selbst opfern, kämpfen was erforderlich ist, noch viele Male fallen aber die Richtung ist die Gleiche! Starkes Hajduk!“. Zu Beginn der zweiten Halbzeit präsentierte die Torcida dann noch eine größere Pyroshow, welche wunderbar chaotisch wirkte. Leider sprang der Funke in absolut keinen Ansatz auf die Mannschaft über. Selbst meine Freundin regte sich tierisch über die dargebotene Leistung auf. Da ihr Fußball sonst ziemlich egal ist, hat das schon was zu bedeuten. Wirklich sehr magere Kost. Nachdem Héber dos Santos in der 58. Minute das 2:0 für die Gäste schoss, verließen gut und gerne 3-4000 Leute von der Haupttribüne und Gegengerade das Stadion. Das ist schon bitter.. Ich mein es sind noch über 30 Minuten zu spielen und die zuvor bei der Vereinshymne besungene Passion und Liebe zum Verein war schnell wieder vergessen. Diese Mentalität werde ich nie nachvollziehen können. Nach Abpfiff zeigten dann auch die aktiven Fans ihren Unmut zur aktuellen sportlichen Lage. Die komplette Kurve wandte den Spielern ihren Rücken zu. Ein starkes und eindrucksvolles Bild. Im Anschluss an das Spiel versuchten wir es ein weiteres Mal in der Altstadt von Split und sieh da, die Kreuzfahrtschiffe haben die Stadt verlassen. Jetzt bot sich hier eine wirklich schöne Kulisse. Split am Abend ist wirklich sehr empfehlenswert. Eine wunderschöne Stadt, die auf die Touristen angewiesen ist, aber dringend versuchen muss ein vernünftiges Gleichgewicht zu finden.


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