Mit dem Radl nach Holland

Feyenoord Rotterdam 3:1 FC Utrecht

08.08.2015 / Eredivise / 1. Spieltag / Stadion Feijenoord / 45.600 Zuschauer / Rotterdam - Niederlande

Distanz: 59 km


Dirk Kuijt Rotterdam Feyenoord
Vereinslegende Dirk Kuijt

Dieses Spiel soll in doppelter Hinsicht ein ganz besonderes und vor allem unvergessliches Erlebnis werden. Abgesehen davon, dass es in eines der schönsten Stadien Europas geht, war hier vor allem die Anreise nach Holland ein Highlight. Es ging von Leipzig mit dem Fahrrad nach Amsterdam. Das Ganze wurde von Studenten der HTWK organisiert und stellte dieses Jahr meinen Sommerurlaub dar. Über Braunschweig, Rheine und Zwolle ging es in die niederländische Hauptstadt. Im Durchschnitt wurden 100km am Tag geradelt, 6 Tage lang. Leider fand an diesem Wochenende kein Spiel in Amsterdam statt, so wurde Rotterdam als weiteres Ziel auserkoren. Mit Jakob konnte ich einen der Teilnehmer der Radtour von diesem Vorhaben überzeugen und während die anderen sich im Rotlichtviertel die Kante gaben, ging es für uns mit dem Zug in die zweitgrößte Stadt in den Niederlanden. Hier sammelten sich am Bahnhof schon die Rot-Weißen Massen. Leider blieb uns nicht so viel Zeit um die Stadt zu besichtigen, weshalb sich alles gesehene auf die nicht enden wollende Straßenbahnfahrt zum Stadion beschränkte. Die Eintrittskarten wurden sicherheitshalber vorab online erworben und bei unserem Campingplatz hinterlegt. Was dem Betreiber nicht sonderlich gut gefallen hat, das wir zu Rotterdam gehen. Zu Feyenoord brauch ich glaube nicht sonderlich viel zu schreiben. Die Liste an Pokalen liest sich wie ein Märchenbuch: Europapokal der Landesmeister, Weltpokalsieger, 2 mal UEFA Pokalsieger, 3 mal Intertoto-Cupsieger, 15 mal niederländischer Meister, 12 mal niederländischer Pokalsieger und zweimaliger Supercupgewinner. Auch das Feijenoord-Stadion, im Volksmund de Kuip (die Wanne) genannt, dürfte jeder kennen der sich nur halbwegs für Fußball interessiert. Leider sind auch hier die Tage gezählt, wobei potenzielle Besucher noch etwas die Möglichkeit haben das weite Rund zu besuchen. Im Jahr 2018 sollen die Bauerarbeiten für das neue Stadion beginnen und erst 2022 fertiggestellt werden. De Kuip soll aber bestehen bleiben uns als Museum, Brauerei, Leichtathletikanlage und Wohnanlage genutzt werden. Auch wenn es schade um das Stadion ist, ist so eine Umnutzung immer noch besser als ein Abriss wie an vielen anderen Standorten. Ganz unbekannt ist auch nicht der Ruf der Rotterdamer Anhänger. Bereits seit Jahrzehnten schaffen sie es immer wieder die öffentliche Ordnung ins Wanken zu bringen. Europapokalausschluss und Geisterspiele waren natürlich hilflose Mittel der Fußballverbände. Vor allem Anfang der 90er Jahre gab es größere Hooligan Firmen, welche sich meist im Block Vak-S sammelten und sich heute diesen Namen geben. Angriffe auf Gästefans waren an der Tagesordnung, wodurch deren Eingang mittlerweile über ein Tunnelsystem, komplett abgeschottet von den Heimfans erfolgt.

 

Mit dem FC Utrecht ist ein etwas jüngerer Verein zu Gast. Gegründet wurde dieser durch Fusion dreier Vereine im Jahr 1970. Doch auch hier gab es quasi mit Gründung ein Hooligan Problem. Zwischen 1970 und 1980 wurden 58 größere Ausschreitungen gezählt, Spitzenwert in den Niederlanden. Motor des Ganzen ist die Bunnikside, eine Tribüne auf der sich Hooligans, Ultras und alle anderen fanatischen Anhänger sammeln. Sportlich konnte Utrecht auch auf dem Platz was reißen und dreimal den Pokal gewinnen.

 

Also, rein in die Hütte, Platz genommen auf der nachträglich eingezogenen Stahlrohrtribüne im Innenraum und der kultigen Techno-Vereinshymne gelauscht. Das in dieser Region Eurodance erfunden wurde, wundert mich spätestens jetzt nicht mehr. Die Heimfans organisierten eine einfache, aber sehr ansehnliche Choreographie in Form einer gigantischen Wimpelkette und Konfetti. Guter Einstand in die Saison auf den Rängen und auf dem Rasen: Dirk Kuijt und seine Jungs gingen nach 20 min 1:0 in Führung. Die 47.500 Zuschauer die hier auf Rotterdam halten waren jetzt wirklich am ausrasten. Eventpublikum scheint hier nicht viel vorhanden zu sein. Nach der Führung war das Spiel und die Stimmung dann etwas abgeflacht, bis in der 74. Minute Utrecht ausglich. Jetzt war auch der Gästeblock mal ordentlich zu hören. In diesem wurde übrigens provokativ eine Glasgow Rangers Fahne auf gehangen, verbindet doch Feyenoord eine Jahrzehntelange Freundschaft mit dem Stadtrivalen Celtic. Doch die Freude dauerte nur 3 min, denn dann schoß Vilhena die rot-weißen wieder in Führung und vier weitere Minuten später netzte der Liebling der Fans Kuijt zum 3:1 ein. Jetzt wurde es nochmal brachial laut. Das Spiel war wirklich richtig gut und spannend. Blöd nur, wenn man noch den letzten Zug nach Amsterdam erwischen muss und der Schieri das Spiel wirklich mega in die Länge zog. So sehr, dass Utrecht in der 96. Minute sogar noch einen Elfmeter verwandeln durfte. Das war wirklich ein Fußballfest. Jetzt fix zur Straßenbahn gerannt und knapp noch den Zug erwischt. In Amsterdam wurde sich dann mit dem Rest der Fahrradtour auf viele Biere getroffen, was zum Samstagabend im Zentrum gar nicht so einfach ist. Hier entwickelt man wirklich hass auf Junggesellenabschiede und besoffene Engländer.


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