Lettland - Finnland - Estland Tour 2015

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Lettland 0:2 Niederlande

12.06.2015 / EM-Qualifikation / 6. Spieltag / Skonto Arena / 8.067 Zuschauer /

Riga - Lettland

Distanz (Amsterdam-Riga): 1868 km

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Lettische Akademie der Wissenschaft Riga Lettland Latvia
Blick von der lettischen Akademie der Wissenschaften. Ein Gebäude aus dem sowjetischen Klassizismus.
Zentralmarkt von Riga Lettland Latvia
Zentralmarkt von Riga

Wenn der Spielplan sich wieder langsam lichtet, deutet dass auf eine harte Zeit hin. Sommerpause! Zeit für Freundin und die Kollegen abseits des Fußballs. Aber nicht mit mir! Als kleiner Saisonabschluss wollte ich mir nochmal einen kleinen Trip in bisher unerforschte Gebiete gönnen. Das Baltikum stand schon länger auf meiner To do Liste und dank der EM-Qualifikation konnten diverse Länder in einem kurzen Zeitraum verbunden werden. Das erste Ziel hieß Riga, die Hauptstadt Lettlands. Riga ist mit 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums und gleich vornweg – die schönste der drei, die wir besuchten. Am Abend vor dem Spiel gegen die Oranje kamen wir dort an und naja, was soll man da noch machen außer die Clubs der Stadt abklappern? Das funktioniert dort auch gut, unterwegs hörten wir mehr deutsch und spanisch als alles andere. Durch das Erasmus Programm pilgern sehr viele Studenten in den Nord-Osten Europas. Neben den Studenten waren auch schon einige hundert Leute in komischen Orangen Kostümen in der Stadt unterwegs.

 

Am nächsten Tag stand dann das komplette Sightseeing Programm an. Da wir die Zeitverschiebung nur halbherzig beachtet haben, ging es viel zu früh zum Stadion (die Sache mit der Zeitverschiebung sollte uns noch öfter passieren). Aber lieber zu früh, als zu spät. So wurde fast 3 Stunden vor Anpfiff noch fleißig gewerkelt und dadurch konnten wir einfach so mal ins Stadion spazieren, wäre eh niemanden aufgefallen. Das Skonto Stadion, benannt nach einer großen lettischen Baufirma, liegt nordöstlich der Altstadt in einem nicht glamourösen, aber offensichtlich jung-alternativ geprägten Stadtviertel. So verlief die Suche nach Hopfenhaltigen Getränken nicht schwer und die Zeit war ja nun auch zu genüge vorhanden. Etwa eine Stunde vor Anpfiff kam eine „Corteo“ aus etwa 70 lettischen Jugendlichen mit reichlich Bengalen und Böllern an uns vorbei gezogen. Völlig unbeachtet von der Polizei und mitten durch die Holländer liefen sie zum Stadion. Währenddessen kamen die Oranjes an. Knapp 1000 sammelten sich in der Innenstadt an einer Brauerei und zogen von dort zum Stadion. Extra dafür wurde ein Oranger (London-)Doppelstockbus nach Lettland verfrachtet, der den Zug anführte. Das ganze glich aber mehr einem Faschingsumzug anstatt eines Fanmarsches. Die lettischen Jugendlichen positionierten sich auf der einzigen vorhandenen Hintertortribüne und schmückten ihren Block mit „Ultras Latvija“ Fahnen, das versprach schon einmal Stimmung. In diesem Stadion gibt es tatsächlich nur 3 Tribünen. Eine Seite ist komplett offen und man blickt auf einen wunderschönen Parkplatz. Unsere Plätze befanden sich direkt neben dem Gästeblock. Auf beiden Seiten war für ein Länderspiel überraschend gute Stimmung, vor allem die „Ultras Latvija“ boten nette Melodien und Fahneneinsatz. Fahneneinsatz bot auch ein urtyp von Holländer (lange, gelockte blonde Haare und komische dünne Visage), welcher vor uns die ganze Zeit rumtanzte, bis er von einen Letten ordentlich angegangen wurde. Zurecht! Angegangen wurden wir in der Nacht zuvor auch aber die Jungs kniffen beim Anblick unserer breiten Schultern (ähm ja..), worauf hin der Wortwitz „Die Letten sind nicht sehr RIGAros“ etablierte. Kommt, der ist doch gut oder? Zurück zur Sportart mit dem grünen Rasen und dem Ball. Die Holländer standen vor diesem Spiel unter Druck. Ein Sieg musste her, sonst ist die direkte Qualifikation zur EM 2016 in Gefahr. Überraschenderweise führen die Isländer (vielleicht durch die Unterstützung der IS-Länder? – (bin heute gut aufgelegt oder?) die Tabelle der Gruppe A an. Lettland dagegen hat sich sportlich schon verabschiedet, zeigte aber gegen die Jungs von Guus Hiddinks eine tolle Leistung. 67 Minuten hielten die Letten das 0:0 und waren keinesfalls klar unterlegen. In eben dieser Minute schoss Wijnaldum das 1:0 und nur vier Minuten später erhöhte Narsingh auf 2:0. Somit feierten die Holländer den dritten Sieg im 6. Spiel und müssen weiterhin auf Ausrutscher der Isländer oder Tschechen hoffen. 8067 Zuschauer, darunter etwa 2000 Oranjes wohnten dem Kick bei. Nachdem Spiel ging es dann nochmal Richtung Altstadt, 1-2 Bierchen trinken und noch etwas Verpflegung kaufen, da es über Nacht mit dem Fernbus nach Tallinn ging.

Ultras Latvia
Ultras Latvia
Ultras Oranje Fans Holland
Ultras Oranje
2 pac is still alive
latvia netherlands football riga
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Finnland 0:1 Ungarn

13.06.2015 / EM-Quali / 6. Spieltag / Olympiastadion / 20.434 Zuschauer / Helsinki - Finnland

Distanz (Budapest-Helsinki): 1833 km

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Olympiastadion Helsinki Finnland
Olympiastadion Helsinki

In Tallinn verweilten wir aber nur 2 Stunden, da wir per Fähre weiter nach Helsinki fuhren. Am Fährhafen warteten früh um 6 auch schon drei Doppelstockbusse voll mit ungarischen Fans. Also falls mir nochmal jemand von schlechten Wetter in Nord(-ost)europa erzählt, den zeig ich den Vogel. Bei super angenehmen 25 Grad schipperten wir Richtung Helsinki. Nahezu jeder Finne war heute draußen und genoss das Wetter. Uns zog es auch auf die vorgelagerten Inseln Soumenlinnan, welche ein perfektes Ausflugsziel darstellen. Wie zu erwarten, war das Stillen des Bierdurstes heute ein sehr teures Unterfangen. Nichtsdestotrotz saufen die Finnen wie verrückt. Grund der Reise in den hohen Norden war erneut eine Paarung im Rahmen der EM Qualifikation. Gespielt werden die Nationalspiele traditionell im Olympiastadion von 1952. Dieses befindet sich direkt neben dem neugebauten Stadion von HIK Helsinki und ist aus meiner Sicht ein richtiger Leckerbissen. Eröffnet wurde es 1938 und beheimatete neben der Olympiade 1952 auch zweimal die Leichtathletik-Weltmeisterschaften und wird regelmäßig für Großkonzerte genutzt. Neben dem Stadion befindet sich ein Turm, welcher begehbar ist, mit einer Höhe von 72,71 Metern. Diese entspricht der Weite, die der finnische Speerwurf Olympiasieger Matti Järvinen 1932 warf. Das Stadion besitzt eine Kapazität von rund 40.000. Das kultige ist, dass es ein reines Sitzplatzstadion aus Holzbänken ist.

 

Spielerisch ging es erneut um die Wurst, diesmal um die Ungarische. Die Ungarn sind in der Gruppe F derzeit auf Platz 3, hinter Erzfeind Rumänien und Nordirland. Ein Sieg war daher Pflicht. Die Finnen folgen den Letten in die Bedeutungslosigkeit. Ein Sieg hätte zwar noch minimale Chancen ergeben, diese wurden aber heute begraben. Das Spiel war heute aber eine richtig schwere Kost. Dominiert von Fehlern gelang beiden Teams nahezu nichts. Die bekanntesten Protagonisten auf dem Feld waren „Mr. Graue Jogginghose“ Gàbor Kiràly und für die Polenkenner der frisch gebackene polnische Meister Hämäläinen von Lech Poznan. Für mehr Bewegung sorgten die Zuschauer. Wie in Lettland, gab es auch einen Ultra Block der Finnen, welche auch gelegentlich das ganze Stadion mit einbeziehen konnten. Auf ungarischer Seite dominierten die Fans von Úpjest und Ferencváros das Geschehen. Warum auch immer wurden die etwa 500 ungarischen Fans in zwei verschiedene Blöcke gepackt. Dass sahen diese als genauso sinnlos und vereinigten diesen zum Entsetzen der Sicherheitskräfte einfach. Da sich unter den Ungarn offensichtlich auch viele Ultras und Hools befanden, habe ich mir hier etwas mehr Stimmung erhofft, aber bis auf ein paar Schlachtrufe kam leider nichts. Das goldene Tor schoss übrigens Zoltan Stiber vom HSV in der 82. Minute. Nachdem Spiel waren die Finnischen Fans sehr angepisst von ihrem Team und pfiffen sie gnadenlos aus, einige versuchten auch das Spielfeld zu stürmen. Als die Spieler weg waren gab es noch Applaus Richtung Ungarn, auch nach dem Spiel tranken viele Fußballfans noch zusammen ein paar Bier. Die Süd-Osteuropäer mussten ebenso wie wir die Nacht noch in Helsinki verbringen, da nach dem Spiel keine Fähre mehr fuhr.

Helsinki Olympiastadion alt schwarz weiß old school
Alte Aufnahme des Olympiastadions von Helsinki
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Estland 2:0 San Marino

14.06.2015 / EM-Quali / 6. Spieltag /

A. Le Coq Arena / 6.131 Zuschauer /

Tallinn - Estland

Distanz (San Marino-Tallinn): 2744 km

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A. Le Coq Beer Stadium Tallinn Estonia Estland
Endlich vernünftige Werbung im Flyer.

Als wir auch diese Nacht mit günstigen 8 Euro Bier rumgebracht haben, ging es endlich mit besten baltischen Regenwetter Richtung Estland. Hier stand heute das Kracherspiel Europas an! Scheiß auf Roter Stern – Partizan, auf Ruhrpottderby oder den El Classico – das alles ist egal wenn sich Estlands und San Marinos Klingen kreuzen!

 

Man merkte sofort, dass die ganze Stadt angespannt ist. Auch die Ungarn flohen sofort nach anlegen der Fähre in ihre Busse und fuhren ganz schnell Richtung Süden. Überall Polizei, Reiterstaffeln – hier ein Scharmützel – dort eine brennende Tonne. Da ging heute was! Oder eben auch nicht… Rein ins Taxi, der Fahrerin klar gemacht wo die Reise hingehen soll und erstmal verwunderte Blicke erhascht. „Geht da heute was?“ War ihre Frage. „Ja… da geht heute was, also vielleicht...“ knirschte ich zurück. Okay, es war Sonntagabend, es hat den ganzen Tag geregnet und Tallinn wirkte wirklich wie ausgestorben. Die finnischen Partyhopper haben das Land wieder Richtung Norden verlassen und die Touris sind zurück auf der Aida. Aber hey, Estland – San Marino kann man als Einheimischer schon wenigstens auf dem Schirm haben! Hatten zum Glück auch einige, immerhin 6.131 Zuschauer pilgerten in die etwas außerhalb gelegene „A. Le Coq Arena“. Benannt ist diese nach einer estnischen Brauerei und beheimatet neben der Nationalmannschaft den Erstligisten Flora Tallinn. Beim Blick auf die Kapazität von nur 9.692 Zuschauern ist die Auslastung von 6131 auch gar nicht so übel. Die Zuschauer wurden auch für Ihren Mut sich dieses Spiel anzuschauen belohnt. Leichtbekleidete, zufällig auch gut aussehende Frauen, verteilten Flyer für einen Biergarten, mit welchem man nur einen Euro für den halben Liter bezahlt. Bei der obligatorischen Stadionrunde hat sich erstmal jeder von uns ordentlich damit eingedeckt. Das war auch notwendig, denn bei diesem Hochsicherheitsspiel wurde nur Alkoholfrei ausgeschenkt. Zum Glück! Was hätte alles passieren können. Für San Marino stellt die estnische Nationalmannschaft ein gutes Omen dar, konnte doch im Hinspiel der bisher einzige Punkt in einem Pflichtspiel gewonnen werden. Man muss das ne Party gewesen sein, nach 25 Jahren Nationalmannschaft einen Punkt und dann noch gegen die Equipe aus Estland… Die Esten stellten einen kleinen Stimmungsblock, welcher vor allem durch zwei Trompeter für Aufmerksamkeit sorgte. Ob wirklich Fans von San Marino im Stadion waren, lässt sich nur schwer sagen (vermutlich wurden die Reisebusse vorher eingekesselt und zurück geschickt). Das Spiel war dann aber doch sehr ansehnlich und meines Erachtens das Beste der drei gesehenen. Estland entschied diesen Krimi 2:0 für sich und hat in der Gruppe E noch minimale Chancen auf eine Qualifikation. Nach den vielen Fanausschreitungen und den daraus resultierenden Punktabzügen liegt San Marino leider abgeschlagen auf den letzten Platz. Nach dem Spiel wurde Tallinn noch begutachtet und für sehr schick befunden, was aber auch an diesen ominösen Biercoupons gelegen haben könnte.


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