Bergamont Grandurance RD 7

Das (fast-) perfekte Alltags- und Sportfahrrad

Da Reise- und Fußballberichte im Jahr 2020 vermutlich Mangelware werden sein, möchte ich euch an dieser Stelle etwas Equipment von mir vorstellen. Den Anfang macht mein geliebtes Fahrrad, mit welchem ich fast täglich in oder um Erfurt unterwegs bin. Gekauft habe ich es im April 2019 und kann daher nach etwas mehr als einem Jahr ein Fazit ziehen.

 

Doch von vorn: Mein Focus Arriba Fitnessbike, welches ich mittels Schutzblechen und Gepäckträger auf Alltagstauglichkeit getrimmt habe, war nach einigen tausend Kilometern in die Jahre gekommen. Bei der Recherche waren mir einige Eckpunkte wichtig: Schutzbleche, Lichtanlage sowie ein Gepäckträger sind zwingend notwendig. Das leidige aufladen von Anstecklampen sollte endlich der Vergangenheit angehören. Eine sportliche Note sollte durch einen Rennradlenker gesetzt werden. Wobei das für mich auch eine Komfortfrage ist, da ich relativ häufig umgreife. Nach kurzer Suche entdeckte ich Gravel-(Schotter) Bikes für mich. Diese Räder bieten eine enorme Freiheit bei der Streckenwahl, da nahezu alle Straßenoberflächen, Wald- und Feldwege easy befahren werden können. Preislich sollte sich das Rad bei maximal 1500 € bewegen. Eine weitere Voraussetzung war ein Händler vor Ort.

Bergamont Grandurance Vaude

In der engeren Auswahl standen für mich drei Fahrräder: Diamant 132, Bergamont RD 5 oder 7 und das Cube Nuroad. Ersteres war eine Sonderedition von Diamant, daher aber leider fast überall ausverkauft. Das burgunderrote Rad wäre sicherlich ein Hingucker schlechthin, war aber leider nicht test- und lieferbar gewesen. Die beiden anderen konnte ich vor Ort testen. Woraufhin die Entscheidung knapp für das Bergamont gefallen ist. Die Ausstattung und der Komfort waren identisch, ich habe mich einfach bei dem einen Händler besser beraten gefühlt.

 

Entwickelt wurde das Bike von den Hamburger Veloexperten Bergamont. Die geradlinige, hanseatische Mentalität dürfte ein Zugewinn in der Entwicklung sein, denn die Norddeutschen, welche mittlerweile zu Scott gehören, produzieren durchdachte und solide Bikes ohne viel Schnick-Schnack. Mittlerweile wird der Fokus verstärkt auf E-Bikes gelegt, was aus unternehmerischer Sicht verständlich ist.

 

Bergamont nutzt für das RD 7 den Grandurance Rahmen. Daraus basteln sie reine sportliche Gravel-/Crossbikes, aber auch alltagstaugliche Renner wie eben das RD 7, welches es auch in einer leicht abgespeckten Variante als RD 5, sowie als E-Bike gibt. Trotz Schutzblech, Gepäckträger, Nabendynamo mit fest installiertem Licht, wiegt das Fahrrad nur 12 kg. Die Schaltung mit allen weiteren Komponenten wird von Shimano bereitgestellt. Es kommt die 105er Gruppe zum Einsatz, also durchaus gehobene Mittelklasse. Die Scheibenbremsen vorn und hinten gehören ebenfalls dazu. Bereift ist das Gefährt mit 35mm Schwalbe G-One Allround Reifen.

 

Die Tatsache, dass ich für meine Verhältnisse rekordverdächtig schnell die 1000 km Marke mit dem Rad geknackt habe, zeigt sofort wie wohl ich mich auf diesem fühle. Egal ob mein 11 km langer Weg zur Arbeit oder ausgedehntere Touren über 70 km, ich liebe das fahren! Der Alurahmen ähnelt zwar einem Rennrad, aber die Geometrie ist nicht zu sehr auf Sportlichkeit getrimmt. Dennoch nimmt das Fahrrad einen kraftvollen Sprint nicht übel. Selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h hat man durchweg ein sicheres und ruhiges Fahrgefühl.

Rennrad Sunset Roadbike Bergamont

Ungewohnt war für mich Anfangs die Kombination aus Schalt- und Bremshebel, da mein Rennrad mit einer Campagnolo Schaltung etwas anders funktioniert. Weiterhin weiß ich noch nicht so recht was ich von den Schwalbe G-One Allround Raceguard Reifen halten soll. Auf der einen Seite erhöhen sie den Komfort enorm, da sie Stöße gut abfedern. Der Rollwiderstand ist trotz der breiteren Reifen gering. Weiterhin bin ich trotz >1500 Kilometer seit über einem Jahr pannenfrei. Dafür ein ganz dickes Plus! Leider überzeugt der Reifen mich im Gelände bzw. auf Schotter nicht so sehr, denn hier rutsche ich in sportlichen Kurven doch zu schnell weg. Bei Regen hatte ich bisher keine Probleme mit der Sicherheit, dafür habe ich aber eine andere Beobachtung machen müssen. Gefühlt nimmt der Reifen, vermutlich auf Grund des Profils, mehr Wasser mit nach oben und wirft eine zu große Menge an das Schutzblech ab. Durch eine erhöhte Geschwindigkeit plätschert das Wasser dann rechts und links am Blech vorbei und durchnässt meine Schuhe. Diese Erfahrung konnte ich bei meinen alten Schwalbe Marathon Reifen und einfachen STS Schutzblechen nicht machen. Am Bergamont sind hochwertige Metallschutzbläche verbaut, die sich von den marktüblichen Kunststoffblechen abheben.

 

Bei Dunkelheit leuchtet eine Busch & Müller IQ-X Frontleuchte den Weg mit über 100 Lux sehr gut aus. Der Scheinwerfer ist mehrfach Testsieger geworden und macht wirklich einen guten Job. Schon ab 5 km/h hört das nervige Flackern auf. Leider trübt die Rückleuchte das insgesamt sehr gute Gesamtpaket. Diese wurde zwar optisch sehr edel in das Schutzblech eingearbeitet, bot aber leider kein Standlicht. Wobei das für mich existenziell wichtig für ein Rücklicht ist. Mein Radhändler tauschte mir zwar kostenlos das Licht gegen ein Standlichtfähiges um, aber dafür mit Abzügen in der Optik.

 

Meine VAUDE Gepäcktaschen passen wunderbar an den minimalistischen Träger. Radreisende müssen aber wissen, dass Lowrider Taschen vorne nicht angebracht werden können.

 

Fazit: Nach ca. 1500 km kann ich ein durchweg positives Feedback zum Bergamont Grandurance RD 7 geben. Die Komponenten benötigen bisher kaum Wartung und zeigen keinerlei größere Abnutzung. Das Design ist natürlich Geschmackssache. Ich mag die farblich abgesetzte Frontgabel sehr und erfreue mich täglich aufs Neue am schlichten Design des Rades. Anerkennende Blicke von selbsternannten Veloexperten bestätigen das. Die Schaltung und die Bremsen funktionieren so, wie ich mir das vorstelle. Sprints oder gemütliche Touren sind gleichermaßen wunderbar umsetzbar. Die Alltagstauglichkeit ist gegeben, zumindest wenn die Straße nicht zu nass ist. So richtig fällt es mir noch schwer zu urteilen, ob die Reifen gut oder schlecht sind. Fahrradreifen sind so oder so eine Glaubensfrage. Fragt man fünf Experten, erhält man fünf unterschiedliche Meinungen. Die über einjährige Pannenfreiheit – Klopf auf Holz – spricht natürlich sehr für den Schwalbe G-One Allround RG.

 

Wenn ihr Fragen zum Fahrrad habt, schreibt mir einfach!

Fassbrause Biergarten Bergamont

Kommentare: 9
  • #9

    Sascha (Sonntag, 06 Juni 2021 00:37)

    Eine Frage habe ich nun noch: Ich bin das Rad probegefahren und bin sehr überzeugt. Allerdings glaube ich, dass man- wenn man mal im Urlaub in den Bergen fährt, 1-2 Gänge mehr brauchen könnte. Lässt sich so ein Rad eigentlich dahin gehend umrüsten?

  • #8

    Sascha (Samstag, 05 Juni 2021 09:40)

    Vielen Dank! Das reicht schon! Sportlicher (bzw. tiefere Lenkergeometrie) sollte es nicht sein für mich!
    Damit ist es dann raus.
    Grüße aus dem Norden!

  • #7

    EL-Roadie (Donnerstag, 03 Juni 2021 22:31)

    Hallo Sascha,

    deine Frage kann ich leider nicht Abschließend klären. Ich hatte 2019 das Nuroad getestet. Die damalige Version war etwas sportlicher getrimmt als das Bergamont. Das hat man vor allem an der etwas tieferen Lenkergeometrie gemerkt. Im Bezug auf die Komponenten waren die beiden Räder nahezu identisch.
    Ich muss aber auch zugeben, dass ich das Cube wirklich nur eine kleine Runde um den Block getestet hatte. Ist vielleicht nicht wirklich aussagekräftig.

  • #6

    Sascha (Donnerstag, 03 Juni 2021 15:58)

    Danke für diesen Bericht!
    Ich habe dieses Rad auch getestet. Gerne würde ich das CUBE NUROAD (in diesem Fall das RACE FE 2021) testen, leider gibt es das nur online.
    Meine Frage: Die beiden sind tatsächlich ebenbürtig?

  • #5

    EL-Roadie (Donnerstag, 03 Juni 2021 10:25)

    Hallo Jo Farel,

    gerne schreibe ich meine Einschätzung.

    Man müsste eigentlich vorab noch wissen, wie du für dich "graveln" definierst. Es gibt ja durchaus sehr sportlich ambitionierte Gravelbike-Fahrer. Wenn das dein Ziel ist, würde ich ein Gravelbike suchen, welches ohne "Ausbau" (Lichtanlage, Schutzbleche, ...) daherkommt.

    Bist du dagegen auf der Suche nach einem alltagstauglichen Fahrrad, mit etwas gehobeneren sportlichen Ambitionen, dann kann ich uneingeschränkt das RD 7 empfehlen. Sportliche Ambitionen spreche ich an, weil vor allem der Rennradlenker das Fahrrad so sportlich macht. Hat man darauf gar keine Lust, könnte man auch beim Tourenrad bleiben.

    Deine mehrtägigen Touren bringen mich noch auf einen Gedanken: Gepäck. Bedenke wie viel Platz du brauchst. Ein Nachteil bei dieser Reihe ist, dass keine Lowrider Taschen vorne angebracht werden können. Ich weiß auch nicht, ob eine dritte Tasche mittig über den Gepäckträger hinten angebracht werden kann. Ich hatte bisher maximal zwei Taschen an der Seite dran.

    Zum Thema Straßenbelag: Auch ich fahre überwiegend Asphalt, aber das Gravelbike gibt einem im Gegensatz zum Rennrad die Freiheit, auch andere Oberflächen locker flockig befahren zu können.

    Zum Thema Preis: Vielleicht kommt für dich ja auch die etwas günstigere RD 5 Variante in Frage? Das RD 5 kostet etwa 1.000 €. Die größten Unterschiede liegen bei der Schaltung (105 vs. Tiagra), Nabendynamo und den Lichtern. Es wiegt laut Produktblatt auch 400g mehr als das RD7. Ich hab das Fahrrad jetzt 2 Jahre und habe null Probleme mit der Schaltung. Ich kannte mich vorab mit den Komponenten nicht sonderlich gut aus, daher habe ich nicht speziell nach der 105er gesucht. Bin aber jetzt nach den zwei Jahren immer noch voll zufrieden.

    Wenn du noch was wissen willst, immer her damit!

  • #4

    Jo Farel (Donnerstag, 03 Juni 2021 08:44)

    Moin,

    vielen Dank für deinen Bericht. Ich erwäge im Moment sehr ernsthaft mir das Grandurance RD 7 ebenfalls anzuschaffen. Bisher bin ich aber nur normale Trekking- oder Tourenräder gefahren (auch auf längeren oder mehrtägigen Touren). Dabei bewege ich mich zu meist auf Asphalt, gelegentlich klassisch auf Schotter und eher selten im Wald. Würdest du das RD 7 für einen Einsteiger in die "Gravel-Szene" empfehlen? Oder ist es (auch wegen der 105er-Gruppe) eher etwas für Leute, die bereits wissen, wonach sie suchen? Immerhin sind 1.500,- EUR selbst für gebrauchte Modelle keine Peanuts.

    Würde mich über deine Einschätzung sehr freuen.

    VG
    Jo

  • #3

    Torsten (Dienstag, 26 Januar 2021 12:06)

    Ich fahr seid 4 Monaten das 21er Model und bin begeistert. Das Bike ist eine eierlegende Wollmilchsau, ob 5 km bis zur Arbeit oder in 4 Tagen bis hoch an die Ostsee alles kein Ding.
    Natürlich nichts ist perfekt, aber ich verbuche es unter Charakter:
    die verbaute und Herrman Lampe vorn ist in 21er Model ein Downgrade, somit musste die H Black von Herrman dran. Die Schaltung lässt sich nicht schleiffrei einstellen, es ist ein Kompromiss wo der Umwerfer schleifen soll. Der originale Sattel wurde gegen den Ergon SR Com getauscht.
    In der Summe ist das Rad sehr gelungen und es ist eine Freude damit Kilometer zu fressen! �

  • #2

    EL-Roadie (Samstag, 12 September 2020 07:53)

    Hallo Philipp,

    ich fahre auch zusätzlich Rennrad und der Umstieg ist für mich nie großartig spürbar. Klar hat ein Gravelbike breitere Reifen und durch die Lichtanlage, Gepäckträger und Schutzbleche mehr Gewicht. Aber das cube und das bergamont kommen aus dem sportlichen Bereich. Daher liefern beide eine sehr gute Dynamik. Wenn du was komfortableres suchst, wirst du mit dem bergamont viel Spaß haben.

  • #1

    Philipp (Donnerstag, 10 September 2020 13:21)

    Hallo, sehr schöner Bericht! Ich interessiere mich auch für das Bergamont, und wie geschrieben, die Alternative ist das Cube Nuroad. Ich komme auch aus dem Rennradbereich und suche ein Rad, das komfortabler ist, aber vor allem Gepäckträger und Licht hat, ohne zuviel Speed auf Asphalt zu verlieren.
    Wie würdest Du den Unterschied zum Rennrad beurteilen? Fehlt da viel an Dynamik, bringt das Bergamont viel mehr Luftwiederstand mit?

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